Um die Ausgangslage der Schweiz vor dem finalen Wochenende einzuordnen, hilft ein Blick zurück auf die Vorrunde. Vor dem abschliessenden Gruppenspiel der Nati gegen Finnland war «nur» noch die Frage offen, wer sich den 1. Platz sichert – zumindest im kleinen Bild betrachtet.
Lieber Norwegen oder Kanada? Die Antwort ist klar
Nach den Viertelfinals vom Donnerstag kann man aber getrost behaupten: Der 4:2-Sieg gegen die Finnen war viel mehr wert als «nur» der Gruppensieg. Er hat die Schweizer für den harten Viertelfinal gegen Schweden geschliffen. Und er hat die Türe geöffnet für einen möglichen Halbfinal gegen Underdog Norwegen.
Weil in der Runde der letzten 8 alles nach Papierform verlief, ist der Halbfinal Schweiz - Norwegen perfekt. Hätte die Nati das letzte Gruppenspiel gegen Finnland verloren, würde sie nun auf Kanada statt Norwegen treffen. Ohne den Skandinaviern gegenüber despektierlich zu sein: Hat man die Wahl zwischen Kanada und Norwegen als Halbfinal-Gegner, entscheidet sich jede Mannschaft der Welt für die Norweger.
Grosser Respekt vor Norwegen
Im Lager der Schweiz ist man sich der vielversprechenden Ausgangslage bewusst. Den Fehler, Norwegen zu unterschätzen, wird die Nati aber nicht machen: «Sie leisten grossen Widerstand und es ist eine schnelle Mannschaft. Einen WM-Halbfinal erreichst du nicht nur mit Glück», stellt Jan Cadieux klar. Der Schweizer Trainer kündigt an, die Taktik seines Teams leicht zu justieren, um die Stärken der Norweger möglichst zu neutralisieren. Es sei aber wichtig, dem eigenen System treu zu bleiben, so Cadieux.
Beibehalten wollen die Schweizer die Härte, welche sie im Viertelfinal gegen Schweden zum Erfolg führte. «Das ist unser Spiel, diese Härte brauchen wir gegen die Norweger und auch für den Rest des Turniers, was auch immer noch kommen mag», ist sich Nino Niederreiter sicher. Auf die «günstige» Ausgangslage angesprochen, meint der Winnipeg-Stürmer: «Der Druck und der Wille, jetzt noch mehr zu erreichen, ist sehr gross.»
Gefährlicher Paradesturm
Die Norweger auf der anderen Seite wollen ihr Märchen noch um ein weiteres Kapitel verlängern. Doch wer sind die Köpfe hinter dem Überraschungsteam, welches erstmals überhaupt in einem WM-Halbfinal steht?
- Tinus Luc Koblar: Der 18-Jährige wurde 2025 im NHL-Draft in der 2. Runde von Toronto berücksichtigt, spielt aktuell aber noch in Schweden. Mit bisher sechs Treffern ist der grossgewachsene Center gemeinsam mit Noah Steen Norwegens Top-Torschütze an dieser WM.
- Michael Brandsegg-Nygard: Der 20-Jährige stiess erst im Verlauf der WM zum Team und bekundete keinerlei Anlaufschwierigkeiten. In bisher drei Einsätzen buchte der Flügelstürmer fünf Skorerpunkte. Brandsegg-Nygard ist der einzige Spieler in Norwegens WM-Kader, der diese Saison in der NHL zum Zug kam (14 Partien für Detroit).
- Andreas Martinsen: Zwischen 2015 und 2019 absolvierte der inzwischen 35-jährige Routinier 154 NHL-Partien. Mittlerweile ist Martinsen in der Heimat beim Meister Storhamar engagiert. Sein Spielstil hat sich aber nicht verändert. Der Captain der Norweger pflegt noch immer ein sehr körperbetontes Spiel.
Das Trio bildet die erste Sturmformation. Hält die Nati den gegnerischen Paradesturm in Schach, bleibt den Norwegern nur noch ein weiteres Ass im Ärmel: Goalie Henrik Haukeland, der hinter Leonardo Genoni (96,63%) die zweitbeste Abwehrquote des Turniers aufweist (95,97%).