Es ist noch gar nicht so lange her, da war Deutschland eine Art Angstgegner der Schweiz. Sowohl 2021 als auch 2023, beide Male im lettischen Riga, schaltete die DEB-Auswahl die Nati aus, obschon die Deutschen auf dem Papier als Aussenseiter in die Partien gegangen waren.
2023, im ersten Jahr unter Trainer Harold Kreis, stiess der grosse Nachbar der Schweiz anschliessend bis in den Final vor und bot Kanada im finnischen Tampere zwei Drittel lang die Stirn, ehe der Rekordweltmeister die Sensation doch noch verhinderte. Die Silber-WM als Startschuss zu einer goldenen Ära für Deutschland unter Trainer Harold Kreis? Diese Frage ist inzwischen klar mit einem Nein zu beantworten.
Kreis unter Druck
Seit dem Vize-Weltmeistertitel passte beim DEB nicht mehr allzu viel zusammen, weder auf noch neben dem Eis, wo die Misstöne immer lauter wurden. Die sportliche Bilanz liest sich durchzogen:
- WM 2024: Aus im Viertelfinal gegen die Schweiz
- WM 2025: Aus in der Gruppenphase
- Olympia 2026: Aus im Viertelfinal gegen die Slowakei
Es versteht sich von selbst, dass das Abschneiden in der jüngeren Vergangenheit seinen Teil dazu beiträgt, dass der Trainerstuhl von Kreis aktuell wackelt. Zu den ungenügenden Resultaten gesellten sich zuletzt aber auch immer mehr Entscheidungen von Kreis, die nach hinten losgingen.
Endgültiger Bruch bei Olympia?
An den Olympischen Spielen etwa wurde dem 67-Jährigen vorgeworfen, Superstar Leon Draisaitl viel zu stark zu forcieren. Auch in Partien, welche frühzeitig bereits zugunsten der Deutschen entschieden waren. Im Viertelfinal gegen die Slowaken war die Flasche bei Draisaitl komplett leer.
Ohnehin scheint es so, als wäre in Mailand das Tuch zwischen Trainer und Mannschaft zumindest teilweise zerschnitten worden. Der langjährige Captain Moritz Müller wurde bei Olympia von Draisaitl als Captain abgelöst und erhielt nur noch eine Nebenrolle in der Mannschaft. Nach dem Ausscheiden sagte Müller in einem Interview, dass Deutschland bei Olympia zwar das beste deutsche Kader aller Zeiten gehabt habe, «aber nicht die beste Mannschaft.» Damit deutete er die fehlende Harmonie innerhalb des Teams an.
Für die WM in der Schweiz hat Müller aus freien Stücken verzichtet, offiziell «aus familiären Gründen». Nun ist der eigentliche Captain der Deutschen aber doch in der Schweiz, allerdings nicht als Spieler, sondern als Experte für einen deutschen Streaming-Anbieter.
Nächstes Vorrunden-Aus droht
Was Müller vom TV-Studio in Zürich aus bisher gesehen hat, dürfte ihm zu denken geben. Nach der 1:3-Startniederlage gegen Finnland verlor Deutschland am Sonntag auch sein zweites Gruppenspiel gegen Lettland (0:2). Damit steht die DEB-Auswahl vor dem Aufeinandertreffen mit der Schweiz am Montagabend bereits unter Druck.
Sollte Deutschland zum zweiten Mal in Serie die WM-Viertelfinals verpassen, dürften die Tage von Kreis als Nationaltrainer gezählt sein. Es wäre ein ernüchterndes Ende einer Ära, die 2023 so silbern begonnen hatte. Und das ausgerechnet ein Jahr vor der Heim-WM in Düsseldorf und Mannheim.