Die Schweiz hat am Freitagabend ein Statement abgegeben. Der 3:1-Sieg zum WM-Auftakt gegen die USA ist auf dem Papier zwar auch «nur» drei Punkte wert.
Für die Psyche von Trainer, Spieler und Fans sowie die Dynamik im Team kann der Erfolg gegen den amtierenden Weltmeister und Olympiasieger für den weiteren Turnierverlauf aber wegweisenden Charakter haben.
Euphorie statt Zweifel
Der Druck auf die Nati vor der Heim-WM war gross, sehr gross. Auch gewisse Fragezeichen waren nicht wegzudiskutieren. Obschon nach dem anfänglichen Tornado rund um die «Causa Fischer» im Laufe der Vorbereitung mehr Ruhe reinkam, ist das Thema bei Frau Schweizerin und Herrn Schweizer weiter präsent, das war am Freitag im und ums Stadion in Zürich unschwer zu beobachten.
Die Mannschaft hat mit ihrem Auftritt gegen die USA klargestellt, dass sie die Sache zumindest für die Dauer des Turniers ad acta gelegt hat und nach vorne schaut. Jan Cadieux hat es geschafft, seine Schützlinge hinter sich zu bringen, darunter auch Leitwölfe wie Roman Josi und Nino Niederreiter. Auch für den Trainer war der Startsieg gegen die USA elementar wichtig.
Momentum nutzen
Nun kann man sagen, dass die Harmonie zwischen Trainer und Spielern erst in einer Krise wirklich auf die Probe gestellt wird. Diese hatte die Nati in der kurzen Zeit unter Cadieux als Headcoach noch nicht, auch nicht nach der 1:8-Klatsche gegen Schweden an der Euro Hockey Tour. Dafür war diese Partie, das grosse Bild betrachtet, zu unwichtig, zumal das WM-Kader noch nicht annähernd komplett war.
Da hätte eine krachende Niederlage an der Heim-WM gegen ein Topteam oder ein Ausrutscher gegen einen Underdog eine ganz andere Wirkung. Doch so weit muss es ja nicht kommen. Mit dem Sieg gegen die USA hat die Schweiz die Welle der Euphorie erwischt. Nun heisst die Aufgabe der Nati, diese Welle möglichst lange zu reiten und weiter Selbstvertrauen zu tanken.
Klare Favoritenrolle gegen Lettland
Dies zu verhindern ist am Samstag das Ziel von Lettland. Der überraschende WM-Dritte von 2023 muss heuer ohne Akteure aus der NHL auskommen. Verteidiger Uvis Balinskis von den Florida Panthers ist verletzt, die Goalies Elvis Merzlikins (Columbus) und Arturs Silovs (Pittsburgh) haben wie andere auch abgesagt oder keine Freigabe erhalten.
Mit dabei sind hingegen drei Spieler, welche ihr Geld in der Schweiz verdienen. Rudolfs Balcers (ZSC Lions) und Toms Andersons (La Chaux-de-Fonds) haben in der Vergangenheit bereits WM-Erfahrung sammeln können.
Eine Premiere wird es hingegen für Oskars Lapinskis sein. Ausgerechnet gegen die Schweiz kommt der Stürmer der SCL Tigers zu seiner WM-Feuertaufe: «Etwas Nervosität ist da. Es ist schon speziell, gegen das Land zu spielen, in dem ich aufgewachsen bin. Das wird ein geiler Match», freut sich Lapinskis.