Während einer WM wird in wenigen Tagen sehr viel Eishockey gespielt. Im besten Fall bestreitet eine Teilnehmer-Nation innerhalb von 17 Tagen 10 Partien. Und doch bleibt während dem Turnier auch Zeit für Aktivitäten neben dem Eis.
Gerade diese sind wichtig, damit in den WM-Camps kein Lagerkoller aufkommt. Mithelfen, genau dies zu verhindern, sollen die Team Hosts. Bei den US-Amerikanern übernimmt diese Rolle Reto Schmutz. Der 33-Jährige ist selbst noch als Eishockey-Profi aktiv, die letzten neun Saisons absolvierte er bei Ajoie.
Blick hinter die Kulissen
Doch wie kommt man überhaupt zu dieser Aufgabe als Team Host? «Ich wurde vor drei Jahren für die U18-WM angefragt, die in Porrentruy stattfand, wo ich wohne. Das funktionierte damals ganz gut», erzählt Schmutz. Deshalb habe er vom OK-Chef der diesjährigen A-WM, Patrick von Gunten, die Anfrage für die Heim-WM erhalten als Team Host für die USA.
Für Schmutz war schnell klar, dass er zusagen würde: «Ich bin schliesslich angefressen vom Eishockey und es ist immer cool, hinter die Kulissen blicken zu können.» Mit den USA bekam der gebürtige Zürcher nicht irgendein Team zugeteilt, sondern den amtierenden Weltmeister und den Olympiasieger von 2026.
Der Mann für alles
Langweilig wird Schmutz in seiner Tätigkeit als Team Host bei den USA nicht. NHL-Superstar Matthew Tkachuk und Co. halten «Schmutzi» auf Trab: «Alle in der Swiss Life Arena wissen inzwischen, dass ich jener bin, der die meisten Päckchen sucht für Team USA», schmunzelt Schmutz. Weitere Aufgaben von ihm: das Aussuchen und Reservieren von Restaurants, das Organisieren von Golfplätzen und das Einrichten der Garderobe.
Zu Beginn des WM-Camps sei es schon noch etwas speziell gewesen, als «Unbekannter» plötzlich da zu stehen und sich einzubringen. Die Spieler und Staffmitglieder hätten ihn aber sehr schnell aufgenommen, so Schmutz. «Inzwischen bin ich gut integriert. Während drei Wochen bin ich nun voll US-Amerikaner.»
Schweiz für einmal nur an zweiter Stelle
Mit «voll» meint Schmutz auch voll, da gibt's keine Kompromisse, zumindest nicht nach aussen. Sollte die Schweiz im weiteren Turnierverlauf noch einmal auf die USA treffen – in der Vorrunde siegte die Nati mit 3:1 – ist Schmutz auf der Seite der Amerikaner: «Vor der Kamera darf ich dazu nichts anderes sagen. Ich muss ‹All-in› gehen für die USA», lacht der langjährige Profi.
Sportlich lief es den Titelverteidigern an der WM bisher nicht wie gewünscht. Am Drum und Dran liegt das aber mit Sicherheit nicht. «Sie sind sehr zufrieden mit dem Hotel. Das Stadion in Zürich gefällt ihnen sehr und generell empfinden sie die Organisation als sehr gut», berichtet Schmutz.
Wenn sein Job als Team Host nach der WM erledigt ist, weiss Schmutz noch nicht, wie es für ihn weitergeht. Sein Vertrag bei Ajoie wurde nicht verlängert. Allzu viele Gedanken darüber macht er sich dazu aber noch nicht. Stattdessen will er die Erfahrung als Team Host der USA maximal geniessen.