Das prestigeträchtigste Duell im spanischen Fussball ist zweifelsohne Barcelona gegen Real Madrid. Nicht zwingend aufgrund der Geschichte, sondern viel mehr der immens hohen Intensität wegen dürfte dahinter inzwischen – Stadtderbys ausgenommen – die Affiche Barça gegen Atletico folgen.
Kein Spiel ohne (Schiri-)Polemik
Das letzte Beispiel dafür lieferte das Aufeinandertreffen der beiden Topklubs am vergangenen Samstag in LaLiga, welches Barcelona auswärts nicht ohne Polemik mit 2:1 für sich entschied. Die Emotionen im Metropolitano-Stadion gingen wiederholt hoch.
Die Madrilenen gingen in Führung, kassierten aber fast umgehend den Ausgleich. Kurz vor der Pause musste Atleticos Nico Gonzalez nach einem rüden Foul an Lamine Yamal vorzeitig unter die Dusche. Nach dem Seitenwechsel sah mit Gerard Martin auch ein Barça-Akteur direkt Rot, doch der Schiedsrichter nahm seinen Entscheid nach Konsultation der Videobilder zurück – zur grossen Verwunderung von Atletico.
Jene Entscheidung sorgt in den spanischen Gazetten bis heute für Gesprächsstoff, zumal sie für den Ausgang der Partie womöglich entscheidend war. Robert Lewandowski gelang in der 87. Minute das 2:1-Siegtor. Dank dem Vollerfolg und dem Patzer von Real Madrid auf Mallorca (1:2) hat Barcelona mit 7 Punkten Vorsprung auf Real bereits eine Hand am Liga-Pokal.
Geht Simeones Plan auf?
Zur Wahrheit gehört auch, dass Barcelona an diesem Abend – noch deutlicher als ohnehin schon – das spielstärkere Team gewesen und der Sieg mit Sicherheit nicht gestohlen war. Das könnte auch daran gelegen haben, dass Atletico-Coach Diego Simeone einige seiner Stammkräfte für die Champions League schonte, während auf der anderen Seite Hansi Flick seine Top 11 auf den Platz schickte. All dies im Wissen, dass Barça die Meisterschaft vorentscheiden kann und Atletico längstens aus dem Titelrennen ist.
Simeone erhofft sich durch diese Massnahme, dass seine Mannschaft für das Viertelfinal-Hinspiel der «Königsklasse» im Camp Nou frischer ist. Bei Atletico dürfte es im Vergleich zum Liga-Duell am Samstag einige Änderungen in der Startelf geben, bei Barcelona hingegen, wenn überhaupt, nur wenige.
Schon das fünfte Tête-à-Tête
Die Wege von Barça und Atletico kreuzten sich in der laufenden Saison nicht nur in der Liga, sondern auch in der Copa del Rey. Im Pokal behielten die Madrilenen das bessere Ende für sich, mussten nach dem 4:0-Heimsieg im Halbfinal-Hinspiel im Rückspiel aber bis zur letzten Sekunde zittern. Die 0:3-Niederlage reichte schliesslich, um ins Endspiel vorzustossen (am 18. April gegen Real Sociedad).
Neben der Copa del Rey schielt Atletico auch auf den «Henkelpott». Zweimal – 2014 und 2016 – kamen Simeone und seine Schützlinge dem so ersehnten Triumph in der Champions League sehr nahe. In beiden Fällen verlor Atletico erst im Final gegen Stadtrivale Real. Nun müssen die «Rojiblancos» erstmal Barcelona im Viertelfinal bezwingen, um weiterträumen zu können.