Es sind fast zwei Fussballwelten, die im Champions-League-Final aufeinandertreffen. Auf der einen Seite das selbstbewusste, auf Hochglanz polierte Paris Saint-Germain, das seinen Titel verteidigen will und sich längst als neue europäische Macht inszeniert. Auf der anderen Seite ein wiedererstarktes Arsenal, das unter Mikel Arteta quasi eine Wiederauferstehung feierte und nun von einem historischen Erfolg träumt. Wer triumphiert am Samstag in der Budapester Puskás-Arena?
PSG könnte nach Real Madrid erst die zweite Mannschaft werden, die den Titel seit der Einführung des neuen Formats 1992 verteidigt. Im Vorjahr hatten die Pariser erst im Halbfinal Arsenal aus dem Weg geräumt und im Kampf um den «Henkelpott» Inter Mailand 5:0 gedemütigt. Das Ensemble um Ballon d'Or-Gewinner Ousmane Dembélé, der zuletzt angeschlagen war, ist auch in diesem Final Favorit. «Sie waren letztes Jahr furchteinflössend, und sie sind es dieses Jahr immer noch», warnte Arsenals Abwehrspieler William Saliba.
«Wichtigstes Spiel der Saison»
«Wir wissen alle, was auf uns zukommt: Es ist das wichtigste Spiel der Saison. Wir können unsere Namen noch tiefer in die Geschichte des Vereins, von Paris Saint-Germain und sogar des französischen Fussballs einprägen», erklärte Lucas Hernandez und schwor sein Team auf einen emotionalen Fussballabend ein.
Emotionale Höhepunkte erlebte Arsenal zuletzt gleich doppelt. Einmal, als die Nordlondoner quasi auf dem Sofa den ersten Meistertitel nach 22 Jahren erlebten. Und wenige Tage später bei der grossen Feier rund um das Emirates Stadium. «Wir haben unsere Standards angehoben, aber jetzt müssen wir die nächste Stufe erreichen», forderte Coach Arteta, «wir müssen dorthin fahren und die Champions League gewinnen, das ist uns vollkommen klar».
Defensive gegen Offensive
Arsenal hat seinen Weg in den Final einer soliden Defensive zu verdanken. In 14 Spielen kassierten die Engländer lediglich sechs Gegentore. «Wir haben in dieser Saison die beste Defensive. Und wenn du der Beste bist, willst du gegen die Besten spielen», schickte Saliba als Kampfansage nach Frankreich.
Dem gegenüber steht die enorme Offensivkraft der Pariser. In der Champions League erzielten die Franzosen 44 Tore. Den Wettbewerbsrekord hält der FC Barcelona seit 1999/2000 mit 45 Toren.
Unterschiedliche Wege
Auch die Wege beider Teams nach Budapest hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können. Die Engländer dominierten die Ligaphase mit acht Siegen aus acht Spielen. In der K.o.-Runde setzten sie sich gegen Bayer Leverkusen (3:1), Sporting CP (1:0) und Atletico Madrid (2:1) durch.
PSG hingegen nahm den Umweg. Nach dem 11. Platz in der Ligaphase mussten die Franzosen zunächst in den Playoffs gegen Monaco (5:4) ran, bevor sie endgültig in ihren Rhythmus fanden. Es folgten souveräne Siege gegen Chelsea (8:2) und Liverpool (4:0) sowie ein dramatischer Halbfinal gegen Bayern, den sie nach Hin- und Rückspiel mit 6:5 für sich entschieden.