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76. Schwingfest in San Diego «Schwingen goes USA»: Auch in San Diego lebt der Zwilch

Während der WM-Gruppenphase logiert die Nati in San Diego. Doch die Stadt an der mexikanischen Grenze kennt noch mehr «Swissness».

Am Samstag fand in San Diego das jährliche Schwingfest statt. «Schwingen in den USA, fast 10'000 Kilometer von der Schweiz entfernt?», werden sich nun einige fragen. Doch der Event im San Diego County Swiss Club hat eine lange Tradition. Die diesjährige Ausgabe, bei der auch ein Steinstossen – mit einer Replika des Unspunnensteins! – organisiert wurde, war bereits die 76.

Das Schwingfest ist Teil der West Coast Swiss Wrestling Association, die bereits seit 1957 besteht, und eine Serie von Events von Chula Vista (Kalifornien) bis Bonney Lake (Washington) organisiert.

Auch ein Familienduell gibt's

Als um 10:00 Uhr die Türen auf dem Areal des Swiss County Clubs in San Diego öffnen, hoffen die Organisatoren um den neu gewählten Präsidenten David Egger noch auf weitere Teilnehmer. Am Ende sind es dank spontaner Anmeldungen – auch anwesende Schweizer Journalisten werden angefragt, ob sie noch mitmachen wollen – 13 Erwachsene und 16 Kinder, die auf dem Kampfplatz um den Sieg kämpfen.

Person, die jemandem im Freien die Haare schneidet, neben einem Tisch mit Pflanzen.
Legende: Nach dem Familienduell Die Tochter entfernt Rick Toscano das hartnäckige Sägemehl vom Kopf. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Die Zwilchhosen wurden eigens aus der Schweiz importiert, das Teilnehmerfeld ist sehr divers. Es duellieren sich Schwinger wie Nathan Macleod, der ans diesjährige Zuger Kantonale eingeladen wurde, mit Rick und Damian Toscano. Vater und Sohn betreiben normalerweise Mixed Martial Arts und haben mit Schwingen oder der Schweiz nichts am Hut. Doch sie haben vom Fest gehört und sind heuer erstmals dabei. Im ersten von sechs Gängen kommt es gar zum Familientreffen. Der 44-jährige Vater bodigt dabei seinen 21-jährigen Sohn.

Die Namen verraten die Wurzeln

Wie auch in der Schweiz bei Schwingfesten geht es hier sehr gesellig zu und her. Immer wieder hört man Schweizerdeutsch mit englischem Akzent. Viele unter den Zuschauern haben Wurzeln auf der anderen Seite des Atlantiks. Und auch die Namen verraten die Herkunft: Sei es bei Egger oder seinem Vorgänger und Cousin Tony Odermatt, der das Amt 16 Jahre lang ausübte.

Sie alle sind mit viel Engagement dabei und freuen sich, die Schweizer Brauchtümer zu pflegen. Der San Diego County Swiss Club organisiert pro Jahr 6 Events für seine rund 250 Mitglieder, vom Picknick über das Schwingfest bis zur 1.-August-Feier.

Zwei Personen ringen auf einer Sandfläche im Freien, umgeben von Zuschauern und Dekorationen.
Legende: Das Schweizer Idyll in San Diego Im County Swiss Club sind am Sonntag zahlreiche Zuschauer da. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Cervelats sind der Renner

Odermatt, der die Notenblätter ausfüllt und mit seiner Frau Karen die Buchhaltung macht, erzählt begeistert von seinen Besuchen am ESAF in Estavayer-le-Lac und Zug. Seine Grosseltern kamen vor über 100 Jahren nach Übersee und bemühten sich danach, ihre Schweizer Wurzeln zu pflegen. «Meine erste Sprache war Schwiizerdütsch, leider habe ich es mittlerweile aber verlernt. Und mein Grossvater und ich sind beide am 1. August geboren», erzählt der 68-Jährige stolz.

Stolz lebt man hier auch andere Schweizer Eigenarten. Während Örgelimusik aus den Boxen läuft, werden Kräuterschnäpse degustiert und am Mittag Bratwürste und Cervelats gegessen. «Die gibt es in den USA sonst nirgends! Und letztes Jahr gab es hier sogar Rivella», erzählt Besucherin Conny.

Ein Poster, das eine Wrestling-Veranstaltung bewirbt, mit zwei ringenden Personen und Textinformationen.
Legende: Mit Edelweissrahmen So wird für das Schwingen in San Diego geworben. SRF

In der Mittagspause gibt Vizepräsident Steve Egger am Alphorn sein Bestes. Bei bestem Wetter feiert die Gesellschaft noch länger weiter. Wer am Ende gewinnt, ist hier nicht das Wichtigste. Und auch die Fussball-WM ist an diesem Nachmittag weit weg; wobei: Der Nati werden an diesem Ort ganz besonders die Daumen gedrückt.

SRF zwei, Nati-Magazin, 21.06.2026, 20:20 Uhr

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