Der grosszügigen WM-Reform der Fifa ist es zu verdanken, dass bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko erstmals Nationen vertreten sind, die früher kaum eine Chance auf eine Qualifikation hatten.
Neu nehmen 48 statt 32 Teams teil. Unter ihnen stehen mit Curaçao, Kap Verde, Jordanien und Usbekistan gleich 4 Debütanten. Gemessen an der Bevölkerungszahl (rund 150'000) ist Curaçao dabei das kleinste WM-Teilnehmerland der Geschichte.
Curaçao – Erfahrung an der Seitenlinie
Die Curaçaoer bestreiten ihr erstes WM-Spiel am 14. Juni in Houston gegen den 4-fachen Weltmeister Deutschland, danach folgen Ecuador und die Elfenbeinküste. Der Karibikstaat ist klarer Aussenseiter, verfügt an der Seitenlinie aber über enorme Erfahrung.
Nach einem überraschenden Comeback steht wieder Dick Advocaat an der Seitenlinie. Der Niederländer hatte das Team zur WM geführt, war zurückgetreten und kehrte im Mai nach internen Querelen zurück. Mit 78 Jahren wird er zum ältesten WM-Trainer der Geschichte.
Sportlich profitiert Curaçao von Spielern mit niederländisch-karibischen Wurzeln: Viele wurden in den Niederlanden ausgebildet und bringen wertvolle europäische Erfahrung mit.
Kap Verde – gefährlicher Underdog
Mit gut 500'000 Einwohnern ist die Inselgruppe einer der kleinsten WM-Teilnehmer. In der Qualifikation liess Kap Verde sogar Kamerun hinter sich. In der Gruppe H mit Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien starten die «Blue Sharks» als Aussenseiter – ganz abschreiben sollte man sie aber nicht: Schon beim Afrika Cup 2013 überraschte Kap Verde mit dem Viertelfinal-Einzug.
Trainer Bubista (Pedro Leitao Brito) hat das Team seit 2020 zu einer defensiv starken Einheit geformt. Einer der Hoffnungsträger ist Verteidiger Sidny Lopes Cabral von Benfica Lissabon. Der 23-Jährige schaffte innerhalb von 2 Jahren den Sprung aus der deutschen Regionalliga zum portugiesischen Rekordmeister in die Champions League.
Jordanien – historischer Durchbruch
Nach 10 gescheiterten Anläufen seit 1986 löste Jordanien am 5. Juni 2025 mit einem 3:0 im Oman erstmals das WM-Ticket. Die «Nashama» wurden anschliessend in der Heimat frenetisch gefeiert. Starspieler Mousa Tamari sprach von einem Traum, der wahr geworden sei. Dennoch wäre in einer Gruppe mit Argentinien, Algerien und Österreich jeder Punktgewinn eine Sensation.
Trainer Jamal Sellami setzt auf defensive Stabilität. Der Marokkaner ist seit 2024 im Amt und führte das Team unter anderem in den Final des Arab Cup 2025 – dafür erhielt er sogar die jordanische Staatsbürgerschaft.
Usbekistan – Aufbruch und Ambitionen
Fussball ist in Usbekistan populär, doch mit der ersten WM-Qualifikation hat er nochmals an Bedeutung gewonnen. Nach dem Machtwechsel 2016 öffnete sich das Land teilweise, Investitionen flossen auch in den Sport. Vor allem im Nachwuchs machte Usbekistan international auf sich aufmerksam. Nun soll der nächste Schritt folgen.
Als Trainer wurde bewusst ein grosser Name verpflichtet: Fabio Cannavaro, Weltmeister von 2006. Die Erwartungen sind dennoch moderat – als Neuling zählt Usbekistan zu den Aussenseitern.
«Im Fussball ist alles möglich»
4 Debütanten, 4 unterschiedliche Geschichten – und für alle gilt: Schon die Teilnahme ist ein historischer Erfolg. Doch gerade solche Aussenseiter haben an Weltmeisterschaften immer wieder überrascht. Vielleicht sorgt auch 2026 einer der Neulinge für ein Kapitel Fussballgeschichte.