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Interview mit Doppelbürger Turkes: «Es wurde gefeiert, als wäre Bosnien schon Weltmeister»

Die Bilder gingen um die Welt: Bosnien-Herzegowina versank nach dem Sieg in den WM-Playoffs gegen Italien im Freudentaumel. Edin Dzeko und Co. feierten zuerst im Stadion in Zenica und später auf den Strassen Sarajevos, der Hauptstadt des Landes.

In Sarajevo lebt derzeit Aldin Turkes. Der schweizerisch-bosnische Doppelbürger bestritt zwischen 2016 und 2024 insgesamt 77 Partien in der Super League für den FCZ, Vaduz, Lausanne-Sport und Winterthur. Ein Kreuzbandriss Ende 2020 warf den Stürmer zurück.

Aldin Turkes im Dress des FC Winterthur.
Legende: War seine bisher letzte Station in der Schweiz In der Saison 2023/24 schoss Aldin Turkes seine Tore für den FC Winterthur. Freshfocus/Pascal Müller (Archiv)

Seit nunmehr eineinhalb Jahren geht der bald 30-Jährige in seiner zweiten Heimat für den FK Sarajevo auf Torejagd – und weiss deshalb bestens, was in Bosnien nach der erfolgreichen WM-Quali abging.

SRF Sport: Wie haben Sie das Playoff-Finalspiel gegen Italien am vergangenen Dienstag erlebt?

Aldin Turkes: Es waren viele Emotionen mit dabei. Da ich am Abend noch Training hatte, schaffte ich es zeitlich nicht mehr nach Zenica ins Stadion. Ich war zuhause und habe mitgefiebert. Bosnien hat politisch immer viele Probleme. Dass das Nationalteam die WM-Quali geschafft hat, ist für das Land etwas sehr Grosses.

Was war los im Land?

Schon vor dem Match war es unglaublich. Tausende von Fans haben die Spieler vor dem Stadion euphorisch empfangen. Es hatte ausserhalb des Stadions viel mehr Leute, als drinnen überhaupt Platz haben. Nach dem Spiel wurde auf einem Platz gefeiert, der nur 5 Minuten von mir zuhause entfernt ist. Die Strassen waren gesperrt, es war unfassbar.

Was spielt Italien dabei für eine Rolle?

Es macht das Ganze sicherlich noch spezieller. Italien ist eine grosse Fussball-Nation. Niemand hat erwartet, dass Bosnien weiterkommt.

Was bedeutet die WM-Teilnahme für Bosnien-Herzegowina?

Ich glaube, das hat man auf den ganzen Social-Media-Videos gesehen. Ich kann es kaum beschreiben. Das muss man erleben und mitfühlen. Das Volk in Bosnien braucht nicht viel, um sich zu freuen. Wir sind Leute, die sehr emotional sind. Es wurde gefeiert, als wäre Bosnien schon Weltmeister.

Was liegt an der Endrunde drin?

Das Ziel ist sicher, eine Runde weiterzukommen. Die Schweiz ist der klare Gruppenfavorit. Bosnien wird den 2. Platz angreifen.

Und für wen wird Ihr Herz im Direktduell stärker schlagen?

Ich bin in der Schweiz geboren und wurde dort zum Fussball-Profi ausgebildet. Ich werde für beide Teams mitfiebern, aber die Schweiz hat mir alles gegeben. Ich fühle mich als Schweizer.

Ihre persönliche Situation ist nach einer guten ersten Saison in Sarajevo inzwischen nicht mehr befriedigend ...

Ich wollte im vergangenen Sommer in die Schweiz zurückkehren, mein Agent hatte 2, 3 Offerten aus der Super League. Der Präsident des FK Sarajevo hat aber entschieden, dass ich bleiben muss. Es gab viele Trainerwechsel und die neuen Coaches setzten nicht mehr auf mich. Wieso, weiss ich nicht. Ich trainiere gut und bin fit. Im September konnte ich nach Dubai wechseln, da lief es ganz gut. Doch im Dezember holte mich Sarajevo wieder zurück.

Welche Schweizer Klubs hatten damals Interesse an Ihnen?

Das will ich hier nicht erwähnen. Ich kann nur sagen, dass ich es damals gerne gemacht hätte.

Und wie geht es nun für Sie weiter?

Ich hoffe, dass ich im Sommer von hier weggehen kann. Die Rückkehr in die Schweiz ist sicher eine Option. Es wäre schön, in mein Land zurückzukommen. Wenn alles gut läuft, werde ich in den nächsten paar Wochen wissen, wohin es geht.

Das Gespräch führte Dominik Steinmann. Redaktion: Marco Löffel.

SRF zwei, Sportflash, 07.04.2026, 20:00 Uhr ; 

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