3 Spiele, 7 Punkte und Platz 1 in der Gruppe B. Die Schweizer Nati hat in der Gruppenphase geliefert und nach Startschwierigkeiten zwei Siege feiern können. Trotzdem gibt es vor Beginn der K.o.-Phase noch einige Fragezeichen und offene Punkte, die Sascha Ruefer, Beni Huggel und Peter Schnyder mit Paddy Kälin diskutieren:
- Die Position des Rechtsverteidigers
Während links hinten Ricardo Rodriguez seit Jahren unbestritten ist, hat Murat Yakin auf der anderen Seite eine Baustelle eröffnet. Nach erfolgreicher Qualifikation, in der er auf Silvan Widmer gesetzt hatte, überraschte er im WM-Startspiel gegen Katar mit der Nominierung von Denis Zakaria. Gegen Bosnien-Herzegowina rotierte Widmer wieder ins Team, ehe gegen Kanada Luca Jaquez sein Startelfdebüt feiern konnte.
Die SRF-Runde ist sich diesbezüglich nicht einig. Radio-Reporter Peter Schnyder gibt Yakin recht. «Als Schweiz darf man arrogant genug sein und in dieser Gruppe etwas ausprobieren», findet er. Anders sehen das Nati-Kommentator Sascha Ruefer und SRF-Experte Beni Huggel. So versteht es Ruefer nicht, weshalb Yakin ohne Not eine «Baustelle» aufgemacht habe.
- Die hohen Ziele
Die Nati hat ihre Ziele für die Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko schon früh forsch formuliert. Es soll «die beste WM der Schweizer Geschichte» werden. Mindestens der Viertelfinal müsste es in diesem Fall werden, womit das Ergebnis von 1954 egalisiert werden würde.
Dieses Ziel sieht aktuell noch keiner des Trios ausser Reichweite. Huggel wirft indes ein, bislang habe man bereits gegen Teams Mühe bekundet, die nicht zur absoluten Weltklasse gehörten. «Die Schweiz hatte in allen drei Spielen schwache Phasen. Gegen besser Gegner wird das härter bestraft werden.»
Ruefer findet, das Ziel sei «nicht zu hoch angesetzt. Es ist auch eine Qualität, solche Spiele, in denen nicht alles gut läuft, zu gewinnen.» Und auch Schnyder sieht die Nati auf dem richtigen Weg, streicht sogar das Positive heraus: «Es gab auch schon super Gruppenphasen, nach denen die Energie in der K.o.-Runde draussen war.»
- Manzambis Rolle
Mit drei Toren und einem Assist ist Johan Manzambi bislang die grosse Figur in der Nati. Unbestritten ist deshalb, dass die Schweiz das 20-jährige Juwel braucht, wenn sie Grosses erreichen will. Wenn es um seine Rolle geht, gehen die Meinungen aber auseinander. Ruefer würde ihn als Joker bringen, «denn nimmt man ihn und Breel Embolo aus dem Spiel, hat man niemanden mehr, der das Wirblige bringen kann. Als Einwechselspieler kann er eine echte Waffe sein.»
Die 3 WM-Tore Manzambis
Anders bewertet Schnyder die Situation. Er sieht im Genfer den Unterschiedsspieler, der Leichtigkeit versprüht. «Und wenn es schon 0:2 steht, ist es vielleicht schon zu spät, Manzambi noch einwechseln zu können.»
- Das Pulverfass
Als einer von drei Feldspielern neben Eray Cömert und Aurèle Amenda durfte Noah Okafor bislang noch keine WM-Luft schnuppern. Für Ruefer eine gefährliche Situation: «Warum er nicht spielt, ist mir ein Rätsel. Ich hätte ihn gegen Kanada eingewechselt, er hätte den Ball halten und so helfen können. Das ist eine tickende Zeitbombe. Denn wir wissen alle, was passieren kann, wenn er unzufrieden wird.»
Damit spielt Ruefer auf die EURO 2024 an, als der Offensivmann ebenfalls für Stunk im Training gesorgt haben soll und dafür länger nicht mehr aufgeboten worden war. Ein klärendes Gespräch im März zwischen Yakin und Okafor hatte den Weg zur Rückkehr geebnet.