Es ist ein Déjà-vu der bitteren Sorte: Musste Murat Yakin an der WM vor dreieinhalb Jahren beim Achtelfinal-Out in Katar gegen Portugal (1:6) auf mehrere kranke Spieler verzichten, droht ihm nun die Verletzungshexe einen Strich durch die Rechnung zu machen. Weil Johan Manzambi, Ruben Vargas und Djibril Sow das Abschlusstraining vor dem Duell mit Kolumbien abbrechen mussten, wird der Nati-Coach voraussichtlich an der Personalfront umplanen müssen.
Nach vier international wenig renommierten Gegnern an der WM bekommt es die Nati im Achtelfinal erstmals mit einem «Brocken» zu tun – wortwörtlich: Kolumbien verfügt vor allem in der Abwehr und im Mittelfeld über viele wuchtige Spieler, das weiss auch Yakin.
Er erwartet «das wohl härteste Spiel bislang. In jedem Spiel geht es bei ihnen ums Überleben. Da dürfen wir nicht zurückstecken, uns nicht provozieren lassen und müssen dagegenhalten. Wir müssen auf unsere Art spielen, aber auch mit Leidenschaft dabei sein. Technik und Taktik werden am Dienstag nicht reichen», fordert er.
Vielflieger Kolumbien
Doch auch die Kolumbianer sind gewarnt. Bei Nationaltrainer Nestor Lorenzo haben die Schweizer Auftritte Eindruck hinterlassen: «Das wird ein schwieriges Spiel. Die Schweiz ist vorne und hinten sehr stark. Viele Spieler sind bei europäischen Topklubs unter Vertrag, zudem ist das Team sehr eingespielt.»
Erschwerend kommt bei den Kolumbianern hinzu, dass kaum ein anderes Team so weit reisen musste: Für die vier bisherigen Partien aus dem WM-Camp in Guadalajara an die Spiele in Mexiko-Stadt, Guadalajara, Miami, Kansas City und jetzt Vancouver totalisierte man mehr als 10'000 Flugkilometer über mehrere Zeitzonen und Klimazonen. Mit dem Achtelfinal wird Kolumbien in jedem der drei WM-Co-Gastgeberländer gespielt haben.
Immerhin sei das Virus, das Teile des Teams vor dem Sechzehntelfinal gegen Ghana flachgelegt habe, kein Thema mehr, verriet Lorenzo.
Standards: Der Chef macht's vor
Wie im gesamten bisherigen Turnier dürften die kolumbianischen Fans auch in Vancouver in der grossen Überzahl sein. Für Yakin ist das kein Problem. Sobald angepfiffen werde, sei man als Fussballer ohnehin voll fokussiert, «da bekommt man von der Stimmung nicht viel mit. Kolumbien wird zwar viele Fans im Stadion haben, unsere geben uns dafür Kraft aus der Heimat.»
Angesprochen werden Yakin und Nico Elvedi auch auf die Standards, in der WM-Quali eine Stärke der Schweizer, an der WM 2026 bislang kein Faktor. «Wir haben das in den letzten Tagen im Training noch einmal angeschaut. Es wäre schön, wenn es mal wieder klappen würde», sagt der Innenverteidiger. Anschauungsunterricht könnte sich das Team übrigens beim Trainer nehmen. Der zeigte seine Skills am Sonntag im Training.