Dieser Tage kursiert in den sozialen Medien ein Videoausschnitt aus einer Pressekonferenz des spanischen Nationalteams aus dem Jahr 2022. Aymeric Laporte bekommt von einem Journalisten die Frage gestellt: «Wieso kann Spanien Weltmeister werden?» Ohne zu zögern kommt die Gegenfrage des spanischen Innenverteidigers: «Und wieso nicht? Sag es mir, wieso nicht?»
Fokus mehr auf sich selbst als auf Gegner
Diese Videosequenz, ungeachtet dessen, dass sie schon etwas älter ist, steht beispielhaft für die Überzeugung innerhalb des spanischen Nationalteams.
Seit dem WM-Viertelfinal-Sieg am Freitag gegen Belgien, bei dem «La Roja» spielerisch zum wiederholten Mal nicht restlos überzeugen konnte, werden Spieler und Trainer von heimischen Medien täglich mit Fragen zum anstehenden Halbfinal eingedeckt. Im Zentrum dieser Fragen: Frankreich.
Wie lautet der Plan, um diese französische Offensive zu stoppen?
Die Antwort: «Spanien und Frankreich haben komplett gegensätzliche Spielstile. Sie fühlen sich extrem wohl im Umschalt- und Tempospiel. Wir sind mehr auf Spielkontrolle aus. Wir kennen das Potenzial der Franzosen. Aber wir müssen an unsere Tugenden und unseren Stil glauben.»
Können Sie verstehen, dass Leute behaupten, dass Frankreich bisher besser war als Spanien und deshalb im Halbfinal Favorit ist?
Die Antwort: «Ich finde, man könnte es auch andersrum sehen, dass Spanien in gewissen Spielen besser gespielt hat als Frankreich. Wir haben klare Prinzipien, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Wenn jeder von uns seine beste Version von sich gibt, sehe ich keine Mannschaft, die uns besiegen kann.»
Sind die Franzosen besser als wir?
Die Antwort: «Nein. Sie sind in einer tollen Form, aber bis jetzt kann man nicht sagen, dass sie besser sind. Sie haben uns seit der EM 2024 nicht geschlagen. Möglicherweise haben sie an der WM bisher besser gespielt als wir. Doch das zählt jetzt überhaupt nichts mehr.»
Direktvergleich spricht für Spanien
Die Hauptbotschaft aus den jeweiligen Antworten der Spieler und des Trainers ist im Grundsatz immer dieselbe: Der Respekt gegenüber dem Gegner, in diesem Fall Frankreich, ist gross. Doch das Urvertrauen in die eigene Stärke ist grösser. Dies mag mancherorts überheblich oder gar arrogant rüberkommen. Die Spanier erachten es als Selbstsicherheit.
Gründe, um auch gegen Frankreich an sich zu glauben, hat die «Selección» denn auch mehr als genug. Spanien ist seit 36 Spielen – exklusive Penaltyschiessen – ungeschlagen. Zudem gingen die letzten beiden Direktduelle mit der «Équipe Tricolore» an die Iberer:
- EM 2024, Halbfinal: Spanien – Frankreich 2:1
- Nations League 2025, Halbfinal: Spanien – Frankreich 5:4