Keine dreissig Sekunden dauert es an der Medienkonferenz vor dem Viertelfinal gegen Argentinien, bis der grosse Name fällt. Wie Murat Yakin Lionel Messi zu stoppen gedenke, lautet unter einem riesigen Zelt vor dem imposanten Arrowhead Stadium in Kansas City die erste Frage.
Der Nati-Coach nimmt die Steilvorlage gekonnt an und sagt: «Wir haben mehrere Lösungen. Wir müssen versuchen, eine richtig zu machen.» Es sei wichtig, als Kollektiv aufzutreten und den Druck auf den Passgeber hochzuhalten, damit der argentinische Superstar gar nicht erst in Ballbesitz komme. «Einen Wachhund werden wir aber nicht auf Messi ansetzen.»
Eigener Ballbesitz gegen Messis Klasse
Ins gleiche Horn bläst sein Captain: «Es ist schwierig, Messi 90 Minuten lang zu stoppen. Wir müssen clever sein und kompakt stehen. Aber auch eigener Ballbesitz ist wichtig, damit Argentinien weniger am Ball ist», fordert Granit Xhaka.
Denn der Weltmeister sei viel mehr als nur Messi. Vor allem die Mittelfeldspieler kennt Xhaka aus eigener Premier-League-Erfahrung. Wie schon gegen Kolumbien treffe man auf einen Gegner, der mit viel Härte und grosser Leidenschaft agiere. «Ich bin ein grosser Fan der südamerikanischen Teams, die pushen sich voll, wenn sie treffen», lobt der 33-Jährige.
Lob für argentinische «Grinta»
Wie weit das führen könne, hätten die Argentinier vor allem im Achtelfinal gegen Ägypten nach einem 0:2-Rückstand gezeigt: «Für sie ist es erst fertig, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Diesen Willen wollen wir auch zeigen.»
In einem WM-Viertelfinal ist das Klima egal.
Ein Faktor könnte am Samstagabend Lokalzeit im Arrowhead Stadium in Kansas City auch das Klima werden. Denn anders als noch an der Westküste herrscht hier in Missouri drückende Hitze – etwas, das die Argentinier eher gewohnt sind, hatten sie doch hier ihr WM-Camp aufgeschlagen. Und auch wenn das Spiel um 20:00 Uhr Lokalzeit angepfiffen wird, werden noch knapp 30 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit erwartet.
Doch all das wollen Xhaka und seine Kollegen nicht als Ausrede gelten lassen. Natürlich sei das Klima hier anders, dazu kommt noch die Zeitumstellung von zwei Stunden im Vergleich zu Vancouver. Doch der Captain sagt an der Medienkonferenz: «In einem WM-Viertelfinal ist das Klima egal. Es ist ein Privileg, hier zu stehen.»
2014 vergessen machen
Schon einmal stand Xhaka an einer Endrunde Messi und Argentinien gegenüber: Bei seiner ersten Weltmeisterschaft 2014 traf man im Achtelfinal auf die «Albiceleste» – und schied nach einem späten Treffer in der 118. Minute aus, nachdem Blerim Dzemaili in der Schlussminute nur an den Pfosten geköpfelt hatte.
Die Erinnerungen daran seien für Xhaka noch da, doch am Samstag werde es ein anderes Spiel, schliesslich habe der Schweizer Fussball in der Zwischenzeit grosse Fortschritte erzielt. Trotzdem gehe die Nati als Aussenseiter ins Spiel, auch wenn viele Schweizer Fans schon an den Coup denken. «Auch ich träume gerne. Und ab und zu gehen Träume auch in Erfüllung. Aber dafür muss man hart arbeiten, Sachen zeigen, die man bislang nicht geschafft hat, und über die Grenze gehen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können.»
Gelingen muss das Husarenstück indes weiterhin ohne Johan Manzambi. Das Freiburg-Juwel fehlt nach seiner im Abschlusstraining vor dem Kolumbien-Spiel erlittenen Knieprellung weiterhin. Auch für Michel Aebischer, der immerhin wieder ins Training einsteigen konnte, wird es knapp.