An die letzten beiden Weltmeisterschaften erinnert sich Fussball-Deutschland nur ungerne. Sowohl 2018 in Russland als auch vier Jahre später in Katar verpasste der vierfache Weltmeister überraschend – oder eher sensationell – die K.o.-Phase. In beiden Fällen verloren die Deutschen jeweils ihr Auftaktspiel, 2018 gegen Mexiko (0:1), 2022 gegen Japan (1:2).
Ein weiteres Scheitern in der Vorrunde käme für den DFB einer Katastrophe gleich. Allerdings erscheint dieses Szenario 2026 noch einmal unwahrscheinlicher, als es in den beiden vorhergehenden WM-Turnieren der Fall war. Einerseits, weil durch den neuen Modus mit 48 Teams auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen. Und andererseits, weil die Gegner von Deutschland in der Gruppe E die Weltnummern 24 (Ecuador), 33 (Elfenbeinküste) und 82 (Curaçao) und damit keine wirklichen Hochkaräter sind.
David gegen Goliath
Eine dritte WM-Auftaktniederlage der Deutschen in Serie wäre nichts anderes als eine der grössten Sensationen in der WM-Historie. Mit Curaçao steht der DFB-Elf in Houston einer von vier WM-Neulingen gegenüber – und die sowohl nach Fläche (444 Quadratkilometer) als auch Einwohnerzahl (150'000) kleinste Nation, welche je an einer Endrunde teilgenommen hat.
Die grösste Torgefahr auf Seiten des Karibik-Staats dürfte vom Duo Juninho Bacuna und Kenji Gorré ausgehen. Der Mittelfeldspieler des FC Volendam (NED) und der Flügelspieler von Maccabi Haifa (ISR) waren in der Concacaf-WM-Quali hauptverantwortlich dafür, dass Curaçao die meisten Treffer aller Teams erzielte. Mit Livano Comenencia steht auch ein aktueller Super-League-Akteur im Kader des WM-Debütanten. Der Rechtsverteidiger steht beim FC Zürich unter Vertrag.
Neuer rechtzeitig fit
Auf Seiten Deutschlands gibt es in Bezug auf die Startformation im Auftaktspiel keine Fragezeichen. Trainer Julian Nagelsmann scheint seine bevorzugte Elf gefunden zu haben. Kein Platz in dieser hat – gleich wie schon an der Heim-EM vor zwei Jahren – ein nomineller Mittelstürmer. Im letzten Vorbereitungsspiel gegen die USA (2:1) setzte Nagelsmann einmal mehr auf Kai Havertz als falsche Neun. Den beiden Stossstürmern Deniz Undav und Nick Woltemade blieb «nur» die Reservisten-Rolle.
Im Tor wird Manuel Neuer nach 709 Tagen sein Comeback im Nationalteam geben. Der langjährige Bayern-Goalie konnte seine Wadenverletzung gerade noch rechtzeitig auskurieren. Neuer (40 Jahre, 79 Tage) würde bei einem Einsatz gegen Curaçao Lothar Matthäus (39 Jahre, 91 Tage) als ältesten deutschen Spieler an einer WM-Endrunde ablösen. Zudem wäre er nach dem Mexikaner Antonio Carbajal erst der zweite Torwart in der WM-Geschichte, der an fünf Weltmeisterschaften zum Zug kommt.