Wenn Spanien und Kap Verde am Montag in die WM starten, sind die Rollen klar verteilt: Die Iberer gehören zu den Top-Favoriten auf den Titel, während der afrikanische Inselstaat mit dem ersten WM-Auftritt überhaupt den grössten Moment seiner Fussballgeschichte erlebt.
Alles andere als ein klarer Sieg der Spanier wäre eine Sensation. Nur: An Weltmeisterschaften hat sich der amtierende Europameister zuletzt schwer getan. Seit dem Titelgewinn 2010 war immer spätestens im Achtelfinal Schluss. Gerade die Auftaktspiele bereiteten Spanien fast schon historisch Probleme. Von den letzten 14 Auftaktspielen bei Weltmeisterschaften gewannen die Spanier nur 3.
Yamal und Williams zurück
Es ist nicht davon auszugehen, dass sich diese Bilanz weiter verschlechtert. Für Spanien stellt sich am Montag nicht die Frage, ob man gewinnt, sondern wie souverän. Seit Luis de la Fuente «La Roja» nach der erfolglosen WM 2022 im Januar 2023 von Luis Enrique übernommen hat, hat er sie zu einer echten Erfolgsmaschine geformt.
Von den 42 Länderspielen unter ihm verloren die Spanier nur 2, ein EM-Qualifikationsspiel in Schottland im März 2023 (0:2) und ein Freundschaftsspiel gegen Kolumbien im März 2024 (0:1), bei dem eine spanische B-Elf zum Einsatz kam. Anders gesagt: In Länderspielen sind die Spanier seit über 2 Jahren ungeschlagen (22 Siege, 9 Remis).
Zum ersten Mal überhaupt tritt Spanien bei einer WM ohne einen Spieler von Real Madrid an. Vom grossen spanischen Rivalen FC Barcelona finden sich indes gleich 8 Spieler im Aufgebot. Darunter das 18-jährige Stürmerjuwel Lamine Yamal, der nach einer Oberschenkelverletzung rechtzeitig fit wurde. Am Donnerstag war er ebenso wie Nico Williams unter Jubel ins Training zurückgekehrt.
Ein Spieler aus Top-5-Liga
Im Kader Kap Verdes befindet sich mit Logan Evans Costa nur ein Akteur mit internationaler Klasse. Der Innenverteidiger steht bei Villarreal unter Vertrag und ist der einzige Spieler aus einer Top-5-Liga. Normalerweise ist Costa als Abwehrchef gesetzt. Nach einem Kreuzbandriss gab er jedoch erst im Mai 2026 sein Comeback und reiste mit nur 28 Minuten Spielpraxis zur unmittelbaren WM-Vorbereitung. Im letzten Testspiel gegen Bermuda hielt Costa 90 Minuten durch.
Ob mit oder ohne ihn – für Kap Verde dürfte es wohl schwer werden, die individuelle Qualität der Spanier über 90 Minuten zu kontrollieren. Die 26 Spieler im Kader spielen in 26 unterschiedlichen Klubs, der Altersdurchschnitt des Teams ist hoch. 11 Spieler sind über 30, wovon 5 sogar 35 oder älter sind. Stammkeeper Vozinha ist Kap Verdes Manuel Neuer. Er wurde kurz vor dem Turnierstart 40 Jahre alt.
Eines scheint klar: Unabhängig davon, wie das Spiel gegen Spanien ausgeht, dürfte die WM-Premiere die kapverdische Bevölkerung in einen Ausnahmezustand versetzen. Bisher unterstützten sie bei Weltmeisterschaften andere Teams wie Portugal – nun bekommen sie die Gelegenheit, ihre eigenen Farben anzufeuern.