Manuel Neuer hatte für das zweite Gruppenspiel am Samstag in Toronto, bei dem er mit seinem 21. Einsatz zum alleinigen WM-Rekordgoalie aufsteigt, eine Lektion für alle jungen und auch nicht mehr ganz so jungen Kollegen parat.
«Ich glaube einfach, dass es bei diesem Turnier, bei den Bedingungen, die ja vielleicht auch ein bisschen ähnlich wie in Brasilien sind, um den Extrameter geht», sagte der 40-Jährige. Mit dem Duell mit der Elfenbeinküste geht die WM für die DFB-Elf so richtig los.
Auch für Neuer ein Novum
Nach dem 7:1-Wettballern zum Auftakt gegen Curaçao bietet sich eine Chance, die selbst für Neuer in seiner ewig anmutenden WM-Karriere neu ist: Ein Sieg – und Deutschland steht schon nach zwei Spielen in der K.o.-Runde.
Kein Horror-Hattrick des frühen Scheiterns nach den WM-Turnieren 2018 und 2022. Frühe Planungssicherheit für den weiteren Turnierweg. Das gab es weder bei Neuers WM-Debüt 2010 in Südafrika noch beim Triumph in Brasilien vier Jahre später. Da musste in Spiel drei immer gerechnet oder gar gebibbert werden.
Keine Gedanken an Frankreich
«Ja, das ist natürlich unser Ziel. Ich glaube, wir haben alles in der eigenen Hand», sagte Neuer. Aber er erinnert auch an die Step-by-Step-Philosophie, die Trainer Julian Nagelsmann ausgegeben hat. «Es wird ja schon viel über Frankreich geredet, aber das wollen wir überhaupt nicht», sagte Neuer zum möglichen Achtelfinal-Gegner: «Wir wollen einfach nur aufs nächste Spiel schauen und auf das Beste hoffen.»
Furioser Sturm bei der Elfenbeinküste
Doch welche Gefahr geht von der Elfenbeinküste aus? Natürlich sind da die ultraschnellen Stürmer – neben Yan Diomande noch Bazoumana Touré von der TSG Hoffenheim oder Spanien-Legionär Nicolas Pépé.
Doch in welcher Ordnung werden sie attackieren? Kommt Diomande wie beim 1:0 gegen Ecuador über die rechte Seite, steht Shootingstar Nathaniel Brown nach erst 309 Länderspielminuten und seinem persönlichen Traumstart gegen Curaçao vor der nächsten grossen Bewährungsprobe.
Die Gefahr des Ballbesitzes
Antonio Rüdiger fürchtet folgende Schwachstelle im deutschen Spiel: «Ich gehe davon aus, dass wir sehr viel im Ballbesitz sein werden. Und genau da ist es wichtig, sich gut zu positionieren», sagte der Real-Profi. Sogar gegen Curaçao gab es diese Viertelstunde, in der die DFB-Elf überrumpelt wurde.
Eine Niederlage wäre für Deutschland bitter, weil dann der erhoffte Gruppensieg mit der K.o.-Route an der US-Ostküste mit Boston und Philadelphia schon unmöglich wäre. Das letzte Gruppenspiel, vermutlich in grosser Hitze in New Jersey gegen Ecuador am 25. Juni, würde zum Kraft- und Zitterakt werden.