Julian Nagelsmanns Amtszeit als Trainer der deutschen Nationalmannschaft begann im Oktober 2023 mit einer USA-Reise und Testspielen gegen die WM-Co-Gastgeber USA (3:1) und Mexiko (2:2). Auf diese Matches hatten sich die Deutschen in Foxborough in der Nähe von Boston vorbreitet.
Am Montagabend um 22:30 Uhr deutscher Zeit (live bei SRF) schliesst sich für den 38-Jährigen ein Kreis: Der Weg seines Teams an der WM 2026 führt ihn zurück nach Foxborough, diesmal aber nicht nur auf den Trainingsplatz, sondern ins Stadion der New England Patriots. Dort trifft seine Mannschaft im Sechzehntelfinal auf Paraguay.
Wieder einmal Paraguay im 1. K.o.-Spiel
Man höre und staune, aber es ist tatsächlich das erste WM-K.o.-Spiel der Deutschen seit dem gewonnenen WM-Final 2014. Erfahrung aus K.o.-Partien an Weltmeisterschaften ist rar gesät im deutschen Team: Vom gesamten Kader bringt diese einzig Manuel Neuer mit, immerhin hat er 6 von 7 Partien auf der WM-Bühne gewonnen.
Eine besondere Erfahrung mit Paraguay hat aber DFB-Sportchef Rudi Völler. Er war 2002 Trainer, als die Deutschen im WM-Achtelfinal auf Paraguay trafen. Dank eines Treffers von Oliver Neuville in der 88. Minute setzte sich Deutschland damals mit 1:0 durch. Die Reise in Japan und Südkorea führte das DFB-Team bis in den Final (0:2-Niederlage vs. Brasilien).
Paraguay: Vorbild Ecuador
Gegner Paraguay qualifizierte sich an der WM 2026 vor allem dank eines glückhaften 1:0-Erfolgs über die Türkei für die Fortsetzung der Endrunde. Miguel Almiron, der bekannteste Spieler im Kader der Lateinamerikaner, flog damals vom Platz, wird aber gegen Deutschland wieder zur Verfügung stehen.
Hoffnung werden die Paraguayer auch aus der Partie der Ecuadorianer gegen Deutschland zum Vorrundenabschluss schöpfen. Ecuador war auf dem Papier auch der klare Aussenseiter gewesen. Dank einer Willensleistung und einem schwachen Auftritt der Deutschen, für die es allerdings um nichts mehr ging, setzten sich die Südamerikaner mit 2:1 durch.
Offene Personalfragen
Im deutschen Team gibt es einige heiss diskutierte Personalien an dieser WM. Neben Deniz Undav und Joshua Kimmich ist dies Neuer. Dieser gab beim 1:2 gegen Ecuador keine gute Figur ab und wehrte bisher im gesamten Turnier weniger Schüsse ab, als er passieren liess (4).
Kimmich spielt bei Bayern München eigentlich immer im zentralen (defensiven) Mittelfeld, in der Nationalmannschaft seit der letzten EM aber in der Rechtsverteidigung. Seine Qualitäten sind unumstritten, seine Tempodefizite indes ebenso.
Undav beendete die vergangene Saison als bester deutscher Skorer. Dennoch setzte ihn Nagelsmann bisher ausschliesslich als Joker ein. Seine Ausbeute ist mit 3 Toren und 2 Assists in Nordamerika sehenswert. Man darf gespannt sein, ob Nagelsmann erstmals an dieser WM an seiner Offensive etwas ändert, oder ob Undav auch gegen Paraguay höchstens von der Bank kommen wird.