Nach den jüngsten Resultaten der Schweizer Frauen-Nati ist Interimscoach Reto Gertschen bei seinem Einstand vor allem als Psychologe gefragt. Statt an Technik und Taktik zu feilen, legte der Berner den Fokus in den ersten gemeinsamen Tagen mit seinem neuen Team auf das Zwischenmenschliche.
«Es kamen relativ offene Rückmeldungen von den Spielerinnen darüber, was sie in den letzten 3 bis 4 Monaten belastet hat. Das betrifft nicht nur das Nationalteam, sondern auch die Situation in ihren Klubs», bilanzierte Gertschen die Einzelgespräche, die er am Montagabend geführt hatte.
Er hat uns gesagt, dass er in diesen 10 Tagen die Welt nicht retten kann, sondern dass wir gefragt sind. Schliesslich stehen wir auf dem Platz.
Fragen stellen, zuhören, Vertrauen schaffen, deutlich kommunizieren – Gertschen verfolgt einen klaren Plan, um der Verunsicherung im Team nach 4 zum Teil klaren Niederlagen in der Nations League Herr zu werden.
Er habe sich gut überlegt, wie er den Einstieg gestalten solle, erklärt Gertschen. Zum Programm gehörte auch ein «Input-Abend», wo der Übungsleiter mit Bildern arbeitete. Ein Ferienbild etwa zeigte Sommer, Sonne und Strand. «Doch manchmal ist es halt stürmisch, es gibt wie in der letzten Zeit viel Gegenwind. Nun kommt es darauf an, was man dagegen tut.»
Hinter den Wolken soll möglichst schnell wieder die Sonne zum Vorschein kommen, so die Botschaft.
Spielerinnen in der Verantwortung
Die Spielerinnen nahmen den etwas unkonventionellen Ansatz durchaus positiv auf. «Er hat uns auch gesagt, dass er in diesen 10 Tagen die Welt nicht retten kann, sondern dass wir gefragt sind. Schliesslich stehen wir auf dem Platz», sagt Géraldine Reuteler.
Eseosa Aigbogun nimmt für die Herausforderungen zum Abschluss der Nations-League-Kampagne vor allem mit, dass man wieder an den Grundlagen arbeiten muss. «Etwas ruhiger an die Sache herangehen und uns darauf konzentrieren, was uns Spass macht.»
Am Dienstagnachmittag dislozierte das Team vom Camp in Freienbach kurzfristig nach Rapperswil-Jona, um für das Training vom tiefen Terrain auf den Kunstrasen im Grünfeld auszuweichen. Die Arbeit auf dem Platz rückt nun wieder in den Vordergrund. Am Freitag strebt Gertschen in Luzern gegen Schweden «ein positives Resultat» an.