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Antidoping-Schweiz-Direktor Ernst König über die Schmerzmittel-Problematik im Schweizer Sport
abspielen. Laufzeit 02:58 Minuten.
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«Hau rein die Pille» Schmerzmittelkonsum im Fussball: ARD-Doku lässt aufhorchen

Der Konsum von Schmerzmitteln ist unter Fussballern weit verbreitet. Eine ARD-Dokumentation zeigt, wie gross das Problem wirklich ist.

Von der Bundesliga bis in die Kreisklasse: Im deutschen Fussball ist Medikamentenmissbrauch offenbar an der Tagesordnung. Zu diesem Schluss kommt die ARD-Doku «Geheimsache Doping - Hau rein die Pille», die am Dienstag ausgestrahlt wurde.

1147 FussballerInnen, darunter 11 Profis und 1096 Aktive unterhalb der Regionalliga, nahmen an der Umfrage der ARD-Dopingredaktion und dem Recherchezentrum Correctiv teil. Darüber hinaus hat das Rechercheteam nach eigenen Angaben mit 150 Bundesliga-Spielern, Ex-Profis, Trainern, Teamärzten, Wissenschaftlern und Funktionären gesprochen.

Pillen wie Smarties

Neven Subotic vom Bundesligisten Union Berlin nahm als einer von wenigen Profis vor der Kamera Stellung. Der Verteidiger erklärte: «Was ich in den letzten 14 Jahren mitbekommen habe, ist, dass Ibuprofen wie Smarties verteilt wird. Für jedes kleine Aua gibt es quasi pauschal Ibuprofen.»

Union-Verteidiger Neven Subotic.
Legende: «Es gibt keine Aufklärungsarbeit» Union-Verteidiger Neven Subotic zum Gebrauch von Schmerzmitteln. imago images

47 Prozent der Teilnehmer nehmen mehrmals pro Saison Schmerzmittel, 21 Prozent gar einmal pro Monat oder öfter. Als Grund gaben sie nicht nur die Bekämpfung akuter Schmerzen an, fast 42 Prozent der Teilnehmer wollen mit den Pillen Einfluss auf ihre Leistung nehmen. Konkret wollen sie die Belastbarkeit erhöhen, an Sicherheit gewinnen und den Kopf frei bekommen.

Fallen Schmerzmittel unter Doping?

Toni Graf-Baumann, Mitglied der medizinischen Fifa-Kommission, prangert seit vielen Jahren diesen alarmierenden Missbrauch an, zu dem auch die vorbeugende Einnahme von Mitteln zählt. Untersagt ist die Einnahme von Schmerzmitteln nicht. Sie stehen nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

Dabei erfüllen die Mittel zwei Kriterien, die für eine Aufnahme in die Liste sprechen. «Die Kriterien Leistungssteigerung und Gesundheitsgefährdung sind erfüllt», urteilte Hans Geyer, Biochemiker im Doping-Analyselabor in Köln. Und ergänzte: «Nach meiner Auffassung widerspricht es auch der Ethik des Sports, wenn man nur mit Schmerzmitteln Sport treiben kann.»

Radio SRF 4 News, 10.06.2020, Bulletin von 06:00 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ich fahre gerne mit dem Velo und habe mich einmal überreden lassen, bei einem Hobbyrennen mit zu machen. Was ich da angetroffen habe, hat mich fast platt gemacht. Massagezelte, Verkaufs- und Reklamestände für jede Menge leistungsfördernder Cremen, Oele und Getränke, Verkäufer von speziellen Nahrungsmitteln, Kleidungs- und Veloteilen und mehr und das alles bei Hobbyradfahrern. Wie viel ärger muss es da im Profisport, wo es ums Geld geht, zugehen?
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Fragen dazu: wie kommen diese Sportler zu all diesen - mehrheitlich verschreibungspflichtigen Medikamenten? Wer verschreibt Sportlern diese Masse an Medikamenten? Verantwortungsbewusstsein der entsprechenden Ärzteschaft? Medikamenten-Missbrauch, Medikamenten-Rezeptausstellungen - lukrative Geschäfte einmal mehr auf Kosten der Gesundheit von Menschen...!
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  • Kommentar von Christian Hofstetter  (hofi)
    Ein eindrücklicher DOK über den Schmerzmittelkonsum unter Fussballern. Erschreckend ist, dass sogar in den untersten Ligen Schmerzmittel in rauen Mengen konsumiert wird. Weshalb zerstören Hobbyfussballer ihren Körper, vornehmlich die Niere, um in einem völlig unbedeutenden Spiel dabei zu sein? Es scheint, dass der Leistungswahn in den tiefsten Spähren der Bedeutungslosigkeit angekommen ist. Dass im Spitzenfussball geschluckt wird, wie unter Schwerkranken, erstaunt hingegen nicht.
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