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20 Jahre Bosman-Urteil
Aus sportaktuell vom 15.12.2015.
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Internationale Ligen Die Transfer-Revolution: 20 Jahre Bosman-Urteil

Jean-Marc Bosman hat Geschichte geschrieben. Durch seine Klage gegen seinen Arbeitgeber RFC Lüttich geriet 1995 das gesamte Fussballsystem ins Wanken. Statt wie zuvor die Klubs machen bei Transfers seither die Spieler den grossen Reibach.

Bosmans Klage

  • Nach Ablauf seines Vertrags in Lüttich wollte der Belgier zu Dünkirchen (Fr) wechseln, was an einer zu hohen Ablösesumme scheiterte. Er machte deshalb geltend, er werde in der Wahl seines Arbeitsplatzes eingeschränkt.

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 15. Dezember 1995

  • Läuft ein Vertrag aus, dürfen bei einem Klubwechsel keine Ablösesummen mehr verlangt werden.
  • Für Fussballer gilt innerhalb der EU dieselbe arbeitsrechtliche Freizügigkeit wie für andere Angestellte. «Ausländerklauseln» in den Ligen gelten für EU-Staatsbürger deshalb nicht. Vom Urteil ist seit den Bilateralen prinzipiell auch die Schweiz betroffen.
Habe ich Freunde im Fussball? Nein, niemanden.
Autor: Jean-Marc Bosman

Die Folgen

  • Die Klubs verloren eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen. «Ich sehe heute noch keinen guten Ansatz», sagt der amtsälteste Super-League-Sportchef, YB's Fredy Bickel. «Die Klubs leiden je länger je mehr unter den Folgen.» Vor allem kleinere Klubs können ihre Talente nicht mehr halten.
  • Viele Klubs schliessen nun langfristige Verträge mit ihren Spielern ab. Denn das Herauskaufen aus noch laufenden Verträgen ist weiterhin erlaubt. Das bringt allerdings die Spieler in eine bessere Verhandlungsposition. «Die Spieler und ihre Agenten nutzen dies aus. Sie streichen die Gelder ein, die den Klubs dann fehlen», so Bickel. Eine weitere Folge: Verträge werden kaum noch respektiert.
  • Eine moderatere Sicht hat SFV-Präsident Peter Gilliéron: «Damals stellte jeder Katastrophenszenarien auf. Die Folgen waren aber weniger dramatisch als zunächst befürchtet.»

Der Märtyrer

  • Bosman selbst hatte nichts vom Urteil zu seinen Gunsten. Boykottiert von den Klubs, beendete er seine Karriere bei einem Amateurverein. Danach stürzte er in Depressionen, Alkohol und Armut ab. Heute ist er 51-jährig und lebt nach eigenen Angaben zwar schuldenfrei, aber am Existenzminimum.
Heinz Müller
Legende: Heinz Müller Ehemaliger Mainz-Keeper. Imago

Unbefristete Verträge: Ein Fall «Bosman II»?

Das Arbeitsverhältnis zwischen Klub und Spieler ist juristisch längst nicht abschliessend geregelt. So ist der ehemalige Mainz-Torhüter Heinz Müller gegen seinen befristeten Vertrag beim Bundesligisten vor Arbeitsgericht gezogen - und hat gewonnen. Laut Gericht sind höchstens für zwei Jahre befristete Verträge erlaubt.

Mainz hat das Urteil angefochten. Die Berufungsverhandlung findet im Februar 2016 statt.

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Bosman: Fussball-Rebell in Armut («sportlounge» im Januar 2011)
Aus Sport-Clip vom 18.01.2011.
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Sendebezug: Radio SRF 4 News, Morgenbulletin, 15.12.2015, 07:00 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Toni Lötscher , Marbach
    Das war ja höchste Zeit, dieses Bosman Urteil. Der Vertrag lief aus, und man konnte nicht wechseln. Dass Herr Bosman aber von der Sozialhilfe lebt, finde ich aber eine Frechheit oder können Fussballspieler keine andere Arbeit verrichten? Ich denke schon. Zudem ist mir nicht bekannt, dass jemand als Alkoholiker geboren wird.
  • Kommentar von R. Good , Sion
    Was an diesem Urteil doch eher schade ist, dass es den regionalen/nationalen Aspekt der Clubs zerstört hat und auch die regionale Nachwuchsförderung untergräbt. Es ist einfacher ausländische Spieler einzukaufen, als sie hier aufzubauen. Als Beispiel, was hat der FC Sion, bzw. seine Spieler, noch mit dem Wallis gemeinsam?
    1. Antwort von V.Böhm , Winterthur
      Gehe mit dir einig, aber mit Sion hast du auch das härteste Beispiel herausgepickt.
  • Kommentar von Peter Martins , Schaffhausen
    Schon traurig, dass immer derjenige sich bereichert, der die Freiheiten kriegt. Jetzt ist der nächste Schritt angesagt: Entweder Lohnobergrenze oder Verbot von Agenten? Vielleicht könnte man die Lohnobergrenze mit Ticketpreissenkung verbinden, dann würden die Spieler die Fans aufwiegeln, wenn sie rebellierten. Eventuell sollte sich Bosman, dem ich inhaltlich zustimme, auch fragen, weshalb er nur €740/M kriegt und an Depressionen leidet. Weil er nicht arbeitet und sich nur bemitleidet. Get up!