Schmidt und die Once-In-a-Lifetime-Grandiosität

Schweizer Bundesliga-Episode II: Mainz-Trainer Martin Schmidt und sein Familien-Clan sorgen für emotionale Bilder.

Mit 37 war er noch Trainer in der 2. Liga bei Raron. Am Dienstag letzter Woche ist er als neuer Mainz-Trainer vorgestellt worden - berufen aus der U23-Equipe des Bundesligisten. Sein Lebenslauf als Automechaniker, Inhaber einer Kleiderfirma und spät berufenem Fussball-Trainer sorgte für Schlagzeilen. Garniert mit 7 Kreuzbandrissen (wohl beim Fussball-Spielen in unteren Schweizer Ligen) und gebrochenen Halswirbeln (beim schnellen Skifahren) war die Schmidt-Story in den Medien allgegenwärtig.

Am Samstag sorgte der 47-Jährige nun für einen ersten sportlichen Paukenschlag. Er siegte mit Mainz 05 gegen Eintracht Frankfurt mit 3:1. So prominenten Vorgängern wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel war ein solches Debüt nicht vergönnt gewesen: sie hatten ihre ersten Spiele mit Mainz nicht gewonnen. Mainz-Torschütze Johannes Greis lobte den Coach nach dem Spiel denn auch: «Er hat uns heiss gemacht. Er hat das super gemacht.»

Kuss und Umarmung für den 82-jährigen Vater

Zu denkwürdigen Szenen kam es dann auch nach dem Spiel. Schmidts 82-jähriger Vater war im Stadion in Mainz - zusammen mit den 5 Schwestern und dem Bruder von Schmidt. Der Familien-Clan war nicht zu übersehen, supportete er das prominente Familien-Mitglied doch mit mitgebrachten Kuh-Glocken. Die ARD zeigte in der Sportschau nach dem Match-Beitrag diese herzerwärmenden Bilder: Schmidt umarmte zwischen den Spielerbänken und über die Zuschauer-Ballustrade hinweg innig seinen Vater, inklusive einem zärtlichen Kuss.

Den Mainz-Trainer verbindet eine enge Beziehung mit seinem Familien-Oberhaupt. Nach dem frühen Tod seiner Mutter lebte er bis 38 Jahre zuhause, um seinen Vater zu unterstützen, wie er dem «Sonntagsblick» rapportierte.

Die perfekte Werbung für die Schweiz

Die Martin-Schmidt-Story der letzten Woche gipfelte damit am Samstag in einem ersten Höhepunkt. Auftritte wie diese sind beste Werbung für die Schweiz - einerseits für das fussballerische Schaffen, andererseits aber auch als Korrektur für das oft so knorrige Schweizer Image. Das Schlusswort geben wir noch einmal Martin Schmidt: «Das sind unheimliche Momente. Das ist eine Grandiosität, die es nur einmal gibt im Leben.» Recht hat er!

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Aufstieg: Martin Schmidt neuer Mainz-Trainer

2:01 min, aus sportaktuell vom 17.2.2015

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 17.2.15, 22:20 Uhr / SRF 1, sportaktuell, 21.2.15, 22:30 Uhr