Schweizer in der Bundesliga: Von 0 auf 66 in 52 Jahren

Lange Zeit war der Ruf der Schweizer Fussballer in der Bundesliga bescheiden. Heute stellen sie die grösste Ausländer-Fraktion im Land des Weltmeisters. Die Krönung fehlt aber noch, wie ein Blick auf die Geschichte zeigt.

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Bundesliga-Schweizer: Von Chapuisat bis Rodriguez

11 min, aus sportlounge vom 16.2.2015

Seit 1963, also 52 Jahren, gibt es die Bundesliga. In den ersten 30 davon haben Schweizer Spieler keine Stricke zerrissen, in den letzten 20 hingegen schon. Das zeigt folgender Steigerungslauf: Spielte 1991 noch genau ein Schweizer in der Bundesliga (Stéphane Chapuisat), so waren es bis 2004 zwischen vier und sechs. Seither sind es immer zehn und mehr. Derzeit spielen gar 17 Schweizer im Land des Weltmeisters – von nirgendwoher kommen mehr Ausländer. Nichts könnte die Entwicklung des Schweizer Fussballs besser illustrieren.

Mauerblümchen-Dasein zu Beginn

In der Frühzeit der Bundesliga spielten kaum Ausländer mit, Schweizer schon gar nicht. Rolf Wüthrich und Toni Allemann konnten sich beim 1. FC Nürnberg nicht durchsetzen. In den 70er Jahren sorgte Kudi Müller bei Hertha Berlin für Aufmerksamkeit, er blieb jedoch ein Einzelfall. Ruedi Elsener (Frankfurt), René Botteron (Köln), Christian Gross (Bochum) und Andy Egli (Dortmund) waren alle bekannte Namen in der Schweiz; in Deutschland kamen sie über ein Dasein als Mauerblümchen nicht hinaus.

Türöffner Chapuisat

Dieser Ruf änderte sich erst 1991 mit Chapuisat. Von Ottmar Hitzfeld aus Uerdingen nach Dortmund geholt und von allen Seiten als Risikotransfer bezeichnet, avancierte der Linksfuss rasch zum Publikumsliebling. Mit 106 Toren ist Chapuisat bis heute der drittbeste ausländische Torschütze der Liga-Historie.

Auch Ciriaco Sforza half mit, dass Schweizer Fussballer in Deutschland nun ernstgenommen wurden. Sein Meistertitel mit Aufsteiger Kaiserslautern 1998 gehört zu den Fussballgeschichten für die Ewigkeit. Nicht unbemerkt blieb in Deutschland zudem die herausragende Nachwuchsarbeit des Schweizer Fussballverbands ab Mitte der 90er Jahre, die rasch Früchte trug.

Solid und zuverlässig

Bis heute haben 66 Schweizer den Schritt in die Bundesliga gewagt. Doch noch immer schaffen es nicht alle, sich zu etablieren. Besonders Offensivspieler wie Adrian Knup, Marco Streller, Eren Derdiyok, Tranquillo Barnetta oder Valentin Stocker taten (und tun) sich oft schwer; Alex Frei, der als französischer Torschützenkönig nach Dortmund kam, war die Ausnahme.

Haris Seferovic, Admir Mehmedi und Josip Drmic sind derzeit auf gutem Weg, die Bestätigung steht aber noch aus. Geschätzt werden Schweizer Spieler für ihre gute taktische Schulung und ihre Zuverlässigkeit. Es sind denn auch v.a. defensiv orientierte Spieler wie Raphael Wicky, Stéphane Henchoz, Christoph Spycher, Pirmin Schwegler oder Fabian Lustenberger, die Spuren hinterlassen haben.

Keine Superstars

Und neuerdings sind auch helvetische Torhüter begehrt: Gleich vier Goalies sind in der Bundesliga erste Wahl. Doch bei aller Wertschätzung für die Eidgenossen in Deutschland – ausser Chapuisat, Sforza in seiner Zeit bei Kaiserslautern, Trainer Lucien Favre und vielleicht den Wolfsburgern Ricardo Rodriguez und Diego Benaglio hat bislang kein Schweizer den Status eines Superstars erlangt.

Das zeigt sich besonders bei Rekordmeister Bayern München: Weder Alain Sutter noch Xherdan Shaqiri (und auch nicht Sforza) konnten sich im Starensemble letztendlich durchsetzen. Wenn es im Schweizer Ausbildungskonzept noch eine Steigerung geben kann, dann diese: Einen richtig grossen Fussballer herauszubringen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 16.2.15, 22:25 Uhr