Petkovics Handschrift zeigt sich immer deutlicher

Für die Schweizer Nationalmannschaft ist das Jahr beendet. Die erste Bilanz unter dem neuen Trainer Vladimir Petkovic fällt verhalten positiv aus. Nach schwachem Start scheint sich das Team zu stabilisieren und an das neue System zu gewöhnen.

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Bildlegende: Kurs stimmt Die Ideen von Trainer Petkovic kommen in der Nati gut an. Keystone

Die Voraussetzungen für Vladimir Petkovic bei dessen Amtsantritt waren alles andere als einfach. Nur 69 Tage nach dem Ausscheiden der Nati im WM-Achtelfinal gegen Argentinien startete Petkovic mit seinem Team gegen England in die EM-Quali. Kaum Zeit für den Tessiner, seine Mannschaft kennenzulernen, dem Team sein 4-3-3-System einzuimpfen.

Wohl auch deshalb ging das Spiel gegen England verloren. Der kämpferische Einsatz der Schweiz stimmte zwar an diesem Spätsommerabend im Basler St. Jakob-Stadion, spielerisch konnte die Nati aber nicht überzeugen. Die Sturmspitzen hingen isoliert in der Luft, die Verteidigung erhielt zu wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld.

Die Steigerung nach dem schwachen Start

Während eine Niederlage gegen England für eine Schweizer Nati immer möglich und kein Grund zur Besorgnis ist, wurde die Kritik an Petkovic und seiner Mannschaft nach dem 0:1 in Slowenien lauter. Nur: Die Schweiz zeigte in Maribor keine schlechte Partie, dominierte Spiel und Gegner und scheiterte schliesslich «nur» an der schwachen Chancenauswertung und einem Penalty.

Die Schweizer Tore gegen Litauen

1:03 min, vom 15.11.2014

Trotzdem: Der Druck auf Petkovic nahm zu. Nach dem Pflichtsieg in San Marino folgte die Bewährungsprobe gegen Litauen - und die Nati bestand den Test mit Bravour. Das 4:0 war nicht nur hochverdient, sondern attraktiv für die Fans. Eine rassige Partie war auch das 2:2 im Testkick in Polen zum Abschluss des Nati-Jahres.

Petkovic hat nach 5 Monaten im Amt damit 2 Siege, 1 Remis und 2 Niederlagen auf dem Konto. Mehr als die nackten Zahlen interessiert aber die Entwicklung. Und die stimmt positiv. Petkovics (offensive) Handschrift ist immer deutlicher spürbar, das neue System den Spielern immer vertrauter. Es scheint, als habe der Trainer den Rank nach dem Kaltstart gefunden.

Valable Alternativen gefunden

Auch personell hat Petkovic einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat in Frankreich praktisch aus dem Nichts Aussenverteidiger François Moubandje ausgegraben, bot Zürichs Marco Schönbächler zum ersten Mal auf, verhalf Roman Bürki zum Debüt. Der Trainer hat sich damit gleich selber Alternativen geschaffen, um die er in Zukunft froh sein dürfte.

Petkovics Richtung stimmt also und lässt die Nati zuversichtlich in die Zukunft blicken. Entscheidend aber wird das nächste Jahr für den Tessiner. 2015 muss die Schweiz im Frühling gegen Estland und in Litauen gewinnen und dann im September in England beweisen, dass ihre Fortschritte auch gegen starke Gegner zu erkennen sind. Gelingt dies, dürfte der EM-Quali kaum etwas im Wege stehen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 18.11.14, 20:00 Uhr