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Ein Trauma gegen Nordirland und vom Penaltypunkt aus?
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Sportpsychologe im Interview «Die Schweiz hat keine Tor-Blockade»

4 Pflichtspiele hat die Schweiz seit der Jahrtausendwende gegen Nordirland bestritten. Dabei gelang ihr kein einziges Tor aus dem Spiel heraus. Den einzigen Treffer erzielte Ricardo Rodriguez im November 2017 vom Penaltypunkt. Auch beim bisher letzten Aufeinandertreffen vor einem Monat in Belfast fand die SFV-Auswahl kein Rezept gegen das nordirische Abwehrbollwerk.

Am Samstag erhält die Schweiz im Rahmen der WM-Qualifikation die nächste Chance, den Bann zu brechen. Sportpsychologe Gareth Morgan spricht im Interview über die mentale Komponente einer Durststrecke.

Gareth Morgan

Gareth Morgan

Sportpsychologe

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Gareth Morgan ist seit 2009 als Sportpsychologe an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (EHSM) engagiert. Zudem ist der 39-Jährige seit 11 Jahren Teil des SFV-Förderprogramm «Footuro». Den Schweizer U-Mannschaften steht der Sohn einer schottischen Mutter und eines walisischen Vaters in sportpsychologischen Themen seit 2016 beratend zur Seite. Von 2017 bis 2019 gehörte Morgan dem technischen Staff der Schweizer U21 an.

SRF Sport: Ist die Ursache für die Torlosigkeit der Schweiz gegen Nordirland nur auf dem Platz zu finden oder hat sich das Problem in den Köpfen der Spieler manifestiert?

Gareth Morgan: Bevor man nach Ursachen bei der Schweiz sucht, sollte man akzeptieren, dass Nordirland sehr gut verteidigen kann. Die Abwehr ist sehr stabil, das ist schon länger bekannt. Ich denke nicht, dass die fehlende Durchschlagskraft fix im Kopf der Schweizer Spieler ist.

Ich gehe davon aus, dass die Spieler mit einem festen Plan in die Partie steigen, wie man gegen diese Nordiren zu Torchancen kommen kann.

Mit Sicherheit hat sich der Trainerstaff damit auseinandergesetzt. Entsprechend gehe ich davon aus, dass die Spieler mit einem festen Plan in die Partie steigen, wie man gegen diese Nordiren zu Torchancen kommen kann.

In der Aussenwahrnehmung spricht man schnell mal von einer «Tor-Blockade». Wird dies bloss hochstilisiert?

Ich kann nachvollziehen, dass es für Aussenstehende interessant ist, von einer «Tor-Blockade» zu sprechen. Im Fall der Schweiz sehe ich keine solche Blockade, denn diverse Spieler haben zuletzt in ihren Klubs getroffen. Es kommt schon vor, dass gewisse Akteure von einer Tor-Blockade berichten. In der aktuellen Nati ist mir aber kein solcher Spieler bekannt.

Agiert man zu kopflastig, leiden Intuitionen und Automatismen.

Was raten Sie der Nati aus sportpsychologischer Sicht, damit sie am Samstag gegen Nordirland trifft und erfolgreich ist?

Nicht zu krampfhaft den Weg zum Torerfolg suchen. In solchen Situationen tendiert man oft, zu stark nachzudenken. Agiert man zu kopflastig, leiden Intuitionen und Automatismen. Das kann dazu führen, dass beim Abschluss plötzlich technische Mängel auftreten.

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Wie verhext: Gegen Nordirland will der Ball einfach nicht rein
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Und wie kann man diesem Phänomen entgegenwirken?

Man muss den Fokus auf die Prozesse legen, das heisst die Spieler müssen sich wieder auf die sportlichen Aufgaben fokussieren. Sich auf den nächsten Zweikampf, auf das Stellungsspiel oder den nächsten Pass konzentrieren. Das verbessert die Bedingungen, um letztlich auch Tore zu schiessen, sobald sich die Möglichkeit bietet.

Live-Hinweis

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Das WM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Nordirland können Sie am Samstag ab 20:10 Uhr live auf SRF zwei mitverfolgen. Anpfiff im Stade de Genève ist um 20:45 Uhr. Die Partie gibt es auch durchkommentiert im Radio auf SRF 3.

Wer ist vor so einem Spiel wie gefordert, damit die Aufgabe mit positiven Gefühlen angegangen werden kann?

Bei den Spielern ist anzunehmen, dass in erster Linie Vorfreude herrscht auf ein Heimspiel vor vielen Zuschauern, die für sie fanen. Elementar ist für mich ein gutes Arbeitsklima. Dieses ist – so wie man hört – vorhanden.

Ist das Fundament stabil, wird auch ein weiterer «Rückschlag» keinen negativen Einfluss auf die Gruppendynamik haben.

Ist die positive Gruppendynamik gefährdet, sollte die offensive Erfolglosigkeit im nächsten Nordirland-Spiel anhalten?

Es kann durchaus einen Einfluss haben. Ein gruppendynamischer Prozess basiert auf mehreren Säulen wie z.B. gemeinsame Ziele, Werte und Kommunikation. Wenn dieses Fundament stabil ist – wovon ich bei der Schweiz ausgehe –, wird auch ein weiterer «Rückschlag» keinen negativen Einfluss auf die Gruppendynamik haben. Das hat sich in diesem Sommer nach den ersten beiden Gruppenspielen an der EM gezeigt.

Zum Abschluss: Wagen Sie eine Prognose für das Spiel am Samstag?

Wie immer im Fussball werden verschiedene Faktoren das Spiel entscheiden. Eine fundierte Prognose mute ich mir deshalb nicht zu. Als Zuschauer und Fan tippe ich aber auf ein 2:0 für die Schweiz.

Das Gespräch führte Deborah Bucher.

SRF zwei, sportflash, 05.10.2021 20:00 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Frédéric-Marc Fluehmann  (Frédéric-Marc Fluehmann)
    Spielerisch biedere Mannschaften wie Nordirland entlarven die ebenso spielerischen Mängel der Gegner. Die Schweiz spielt stur durch die Mitte weil wir keine echten Flügelstürmer mehr haben die eine Abwehr auseinanderreißen können. Dann fehlt uns auch das magische Füßchen welches Hakan Yakin missen lässt. Einige Spieler in der Nati sind technisch limitiert. Hier fehlt der Mut zum Weitschuss, es fehlt vor allem am Mut mal in den Strafraum zu stürmen. Deshalb die ärgerlichen Quer- und Rückpässe!
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Hinten solid und kompromisslos verteidigen damit jeder weiss, dass da nichts passiert. Und nach vorne halt mit Spielfreude und Engagement die Nordiren angreifen, Immer wieder Druck aufs Tor, nicht immer rundherum spielen und abwarten bis die Chance kommt ... da sind die Nordiren zu sicher. Technische Überlegenheit alleine reicht halt nicht aus, aber sie wird zum Vorteil, wenn man in den anderen Bereichen auf Augenhöhe ist.