Der Schweizer Cup sorgt regelmässig für Überraschungen, manchmal sogar für Sensationen. Erst im Vorjahr qualifizierte sich mit Biel erstmals ein Team aus der dritthöchsten Liga für den Final. Zuvor war Challenge-Ligist Bellinzona 2008 der letzte Unterklassige im Endspiel gewesen. Und nochmal zwei Jahre zuvor war etwas bis heute Einmaliges geschehen: Mit Sion – damals in der Challenge League – gewann eine unterklassige Equipe die Cup-Trophäe.
Heuer könnte es zum nächsten Novum kommen: Es besteht nämlich die Chance, dass sich zwei Mannschaften, die nicht im Schweizer Oberhaus spielen, für den Final qualifizieren. Im 1. Halbfinal am Samstag fordert Stade-Lausanne-Ouchy die kriselnden Grasshoppers, einen Tag später empfängt Yverdon die Gäste aus St. Gallen.
Schneider warnt vor den Unterklassigen
Ein Cupfinal zwischen zwei Challenge-League-Teams – ist das wirklich möglich? Wir haben diese Frage dem SRF-Fussball-Experten Marc Schneider gestellt. Er muss es wissen, ist der 45-Jährige doch Trainer des FC Vaduz und trifft mit seinen Schützlingen regelmässig auf Stade-Lausanne-Ouchy und Yverdon.
Ein Final zwischen diesen beiden Mannschaften ist für Schneider nicht komplett unrealistisch. Er sagt: «Bei Stade-Lausanne-Ouchy gegen GC sehe ich die Chancen 50:50, wenn nicht sogar Vorteil Ouchy. Und Yverdon ist für mich die individuell am besten besetzte Mannschaft der Challenge League. Deshalb wird es auch für St. Gallen kein Selbstläufer.»
Auf den Flügeln droht für GC Gefahr
Die Qualitäten von Stade-Lausanne-Ouchy beschreibt Schneider folgendermassen: «Es ist eine sehr physische Mannschaft, die über unheimlich viel Speed verfügt – vor allem auf den Flügelpositionen.» Es sei ein Team, welches versucht, Fussball zu spielen und in der Defensive sehr erfahren sei. Als Beispiel nennt Schneider den 30-jährigen Innenverteidiger Nicola Sutter, der über 100 Super-League-Partien bestritten hat.
Für den Experten ist klar: Die Grasshoppers, die fünf der letzten sechs Spiele in der Meisterschaft verloren haben, müssen sich in der Westschweiz warm anziehen. Das Duell mit Ouchy wird kein Spaziergang.
«Rugby-Rasen» in Yverdon
St. Gallen sieht Schneider am Sonntag gegen Yverdon deutlicher in der Favoritenrolle als die «Hoppers» am Vorabend. Doch auch Yverdon habe seine Qualitäten. «Es ist eine erfahrene Mannschaft mit vielen Spielern, die über Super-League-Erfahrung verfügen. Sie haben vor allem vorne unheimlich viel Speed. Und Antonio Marchesano ist noch immer richtig, richtig gut», zählt er auf.
Und Schneider nennt noch ein weiteres Plus für den Aussenseiter: «Der Platz in Yverdon ist wirklich nicht der Hit. Dort wird ab und zu Rugby gespielt – und das merkt man.» St. Gallen wäre der 3. Super-Ligist nach Servette und Lausanne, der im Stade Municipal auf der Strecke bliebe.