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Existenzängste im Fussball und Eishockey
Aus sportpanorama vom 03.05.2020.
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Corona-Krise in Super League Auch Saisonabbruch käme Klubs teuer zu stehen

Die Swiss Football League hat offenbar ein Dokument an die Klubs geschickt, das die Kosten des Saison-Abbruchs skizziert.

Abbruch oder Fortsetzung. So sehen die beiden Szenarien aus, zwischen denen die Super League und Challenge League Stand jetzt auswählen müssen.

Denn mit den am 29. April in Aussicht gestellten Lockerungsmassnahmen hat der Bundesrat die Voraussetzungen geschaffen, dass der Betrieb im Schweizer Profifussball am 8. Juni weitergehen könnte. Gibt es am 27. Mai keinen anderen Entscheid, steht dem aus politischer Sicht eigentlich nichts mehr im Weg.

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Spycher: «Der Fussball muss mit der Politik Lösungen finden»
Aus Sport-Clip vom 30.04.2020.
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Auch der Abbruch kostet

Und dennoch herrscht im Schweizer Fussball Uneinigkeit. Dem Vernehmen nach sind die letzten 4 Klubs der Super League (Lugano, Sion, Thun als Schlusslicht und Xamax) allesamt gegen die Wiederaufnahme des Betriebs. Sie alle könnten mit dem direkten Abstieg oder dem Abstieg über die Barrage verlieren, aber kaum etwas gewinnen.

Yverdons Gemeinde beschwert sich über Saison-Abbruch

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Die Gemeinde Yverdon gelangte nach dem Abbruch der Amateur-Ligen mit einem Beschwerdebrief an den SFV. Im Schreiben wird der Entscheid des Verbandes als "unverständlich" und "unfair" bezeichnet. Der Saisonabbruch trifft Yverdon-Sport als Leader der Promotion League hart. Die Waadtländer hatten sieben Punkte Vorsprung und können nun nicht in die Challenge League aufsteigen. Der Abbruch der Amateur-Ligen hat zur Folge, dass es keine Auf- und Absteiger gibt.

Yverdon verweist im Brief unter anderem auf die getätigten Investitionen in die Infrastruktur. So habe die Gemeinde acht Millionen Franken zum Bau eines neuen Stadions beigetragen, zusätzlich seien zwei Millionen Franken aus privaten Geldern eingeflossen. Dies sei auch mit Blick auf den Junioren- und Breitensport des Vereins geschehen.

Eher auf der anderen Seite hat sich nun die Swiss Football League positioniert. Denn die Liga hat gemäss Blick ein Info-Dokument an die 20 Profi-Klubs verschickt, in dem die Kosten des Meisterschafts-Abbruchs skizziert werden. Die Rede ist von über 15 Millionen Franken, verursacht u.a. durch folgende Posten:

  • Fehlende Einnahmen aus den TV-Geldern wegen Nicht-Einhaltung der Verträge (inkl. möglicher Rechtstreitereien).
  • Zudem sinken auch die Marketing-Einnahmen stärker.
  • Wird nicht gespielt, fallen die Marktwerte der Profis.
  • In einem «Worst-Case-Szenario» fallen auch noch die Ranglistenpunkte (bis zu 1,5 Mio Franken) weg.

Dreistellige Millionenbeträge gefordert

Doch die Sorgen im Schweizer Fussball reichen weiter als nur bis in den Sommer 2020. Heinrich Schifferle, Präsident der Swiss Football League (SFL), der Profiabteilung im SFV, hat Alarm geschlagen. Der Schweizer Fussball würde in seiner Existenz bedroht werden, falls man lange Zeit nicht zur Normalität – ein regulärer Meisterschaftsbetrieb mit halbvollen bis vollen Stadien – zurückkehren könne.

In der Sonntagszeitung erklärte er: «Wir haben berechnet, was der Fussball in unserem Land in 6 Monaten Pandemie bis im September verliert. Es sind 200 bis 250 Millionen Franken, die wir als Unterstützung benötigen in Form von Krediten und Garantien.»

FCZ-Präsident Ancillo Canepa moniert ebenfalls, dass die Profiklubs durch Verluste in Millionenhöhe in eine schwere existentielle Not geraten könnten. Er erwartet vom Bund eine Bürgschaft in tiefer dreistelliger Millionenhöhe.

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Canepa spricht sich für Bürgschaft vom Bund aus
Aus sportaktuell vom 30.04.2020.
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Wer wird Meister? Kommt die 12er-Liga doch?

Neben den finanziellen Folgen stellen sich den Klubs aber noch weitere Fragen, die in den nächsten Tagen und Wochen geklärt werden müssen:

  • Sportliche Entscheidungen: Wer wird Meister, wenn die Meisterschaft abgebrochen wird? Wie sieht es mit Auf- und Absteigern aus?
  • Der Modus: Eigentlich wurde ein neuer Modus bereits Ende April abgelehnt. Doch der umtriebige Sion-Präsident Christian Constantin hat trotzdem einen neuen Versuch unternommen, die 12er-Liga einzuführen. So könnte die aktuelle Saison abgebrochen und die ausgefallenen Spiele in der nächsten Spielzeit nachgeholt werden.

In den nächsten Tagen und Wochen hat die SFL unter CEO Claudius Schäfer die nicht einfache Aufgabe, die partikularen Interessen ihrer 20 Profiklubs unter einen Hut zu bringen.

SRF zwei, sportpanorama vom 03.05.20, 18:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Sommer  (abcdef)
    Ob tatsächlich 200-300 Mio. bezahlt werden müssen, weiss ich auch noch nicht. Das Schattendasein des Sports im
    Vergleich zur Kultur stört mich hingegen sehr. Nur schon das Opernhaus wird vom Kt. ZH jährlich mit 80 Mio subventioniert - warum hört man davon nichts? Kultur begeistert sicher niemals so viele Kinder wie Sport! Ich will die Kultur nicht gegen Sport ausspielen - der obige Fakt stört mich. So wollte Berset der Kultur auch 1.3 Mia zahlen - beim Sport höre ich nichts ähnliches
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  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Ich bleibe dabei: Öffentliche Gelder um überrissene Spielerlöhne zu finanzieren, liegen nicht drin. Es gibt nur 2 Möglichkeiten: entweder die "Mäzene" und "Investoren" öffnen die Schatulle, oder die Clubs specken ihre Finanzgebaren auf ein vernünftiges Mass ab.
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  • Kommentar von Renato Longa  (Nusstortenbäcker)
    Meiner Ansicht nach ist es ein NoGo in der jetzigen Situation den Profifussball mit 200 bis 300 Mio zu unterstützen. Der Profifussball hätte seine Berechtigung in unserer Gesellschaft für Aufgaben wie Vorbild und Prävention. Leider hat sich der Fussball in die entgegengesetzte Richtung entwickelt, wo falsche Vorbilder gelebt werden. Bei einem taktischen Foul wird der bewusste Regelbruch für das Ziel des Siegens legitimiert. Der Zusammenbruch dieses Systems kann dem wahren Fussball nur helfen.
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