Latour: «YB und GC sind erste FCB-Herausforderer»

Die Super League präsentiert sich nach der Hinrunde spannend wie kaum je zuvor. SRF-Co-Kommentator Hanspeter Latour analysiert im Interview die Spitzenteams und zeigt sich über das ständige Wachstum im Schweizer Fussball besorgt.

Kann sich Basel in der Rückrunde gegen die Konkurrenz behaupten? Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hart umkämpft Kann sich Basel in der Rückrunde gegen die Konkurrenz behaupten? Keystone

Hanspeter Latour, 5 Teams stehen nach der Vorrunde nur durch 4 Punkte getrennt an der Spitze. Wie ist es zu diesem Zusammenschluss gekommen?

Latour: Das ist eine fast sensationelle Ausgangslage. Ich kann mich nicht erinnern, dass es je so eng gewesen wäre. Aber von den Rangpositionen her ist die Situation nicht überraschend. Favorit Basel liegt vorn und in der Regel gelingt dem FCB die Rückrunde noch etwas besser. YB und GC sind aus meiner Sicht die ersten Herausforderer. Punktemässig überraschend nah dran sind Luzern und St. Gallen. All diese Spitzenteams sind recht stabil gewesen, es scheint mehr Potenzial vorhanden als bei den Teams der unteren Tabellenhälfte.

Trotz «Wintermeister»-Titel und starken Champions-League-Auftritten gibt es in Basel Diskussionen um die Zukunft von Trainer Murat Yakin. Was ist dort los?

Es ist nicht einfach zu beurteilen, ob wirklich etwas gärt oder ob es nur nach aussen so kontrastreich rüberkommt. Der FCB legt Wert darauf, sich als Ganzes zu verkaufen. Es darf nicht sein, dass einzelne Köpfe zu hoch hinausragen. Offenbar war man sich zuletzt bei der Kommunikation nicht ganz einig. Auf die Resultate hat sich das Ganze jedenfalls nicht negativ ausgewirkt.

Luzern hat sich fast ein wenig an die Spitze geschlichen.

Der FC Luzern hat vor allem in Sachen Effizienz eine sehr gute Vorrunde gespielt. Er hat auch in mittelmässigen Spielen gepunktet. Das Kader ist mit einer Mischung aus Routiniers und jungen Spielern geschickt zusammengesetzt. Auch Dimitar Rangelov hat eine positive Entwicklung hinter sich.

YB hat dagegen eine Slalomfahrt hinter sich. Kommt nun die Konstanz?

Ich traue es den Bernern zu. Vom Cup-Out einmal abgesehen, haben sie auch bei den Niederlagen nicht immer schlecht gespielt. Die Rückkehr von Josef Martinez kann ihnen zusätzlichen Rückenwind geben. Der Ausfall von Marco Wölfli ist weniger gravierend, als es den Anschein hat. Ersatzkeeper Yvon Mvogo spielt schliesslich in der U21-Nati.

GC ist trotz Umbruch auf der Trainerposition vorne dabei. Überrascht Sie das?

Nein. Das ist eine junge, talentierte Mannschaft, die Fussball spielen und dominant auftreten will. Man hat ihr die Zeit für diese Entwicklung gegeben. Dazu haben die Grasshoppers mit Roman Bürki einen so starken Goalie, dass sie auch Risiken eingehen können. Sollte er GC verlassen, hätte das für die Meisterschaft wohl einen grösseren Einfluss als zum Beispiel ein Weggang Mohamed Salahs beim FC Basel.

Hanspeter Latour Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hanspeter Latour Der ehemalige GC-, Thun- und Köln-Trainer ist Co-Kommentator beim Schweizer Radio und Fernsehen. SRF

Mit St. Gallen hat man nach dem Abgang von Oscar Scarione weniger rechnen dürfen.

Es ragt vielleicht keiner so heraus wie dies Scarione tat, aber St. Gallen hat eine sehr grosse Kaderdichte - bis zu 20 Spieler mit ähnlichem Leistungsvermögen. Eventuelle spielerische Defizite werden durch Solidarität kompensiert. Das ist und bleibt im Fussball ein wichtiges Element. St. Gallen und auch Thun haben das mit ihren EL-Kampagnen bewiesen.

Zuschauerrückgang, unklare Zukunft bei diversen Stadien, eine offenbar finanziell bedingte Unruhe bei GC - wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Situation der Super-League-Klubs?

Das beschäftigt mich schon lange. Ich bin überzeugt, dass das ständige Wachstum für viele Klubs langsam zu teuer wird. Unser Markt kann die erforderlichen Finanzen kaum mehr aufbringen. Ich denke jetzt nicht an Basel und YB mit ihren Investoren und ihrem Stammpublikum. Aber für alle anderen ist es ein Kampf. Die Aussage im Fall Dosé ist deutlich: Sportlicher Erfolg ist okay, aber uns wird es zu teuer.