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Die Schweiz schaltet Weltmeister Frankreich im Penaltyschiessen aus
Aus Sport-Clip vom 29.06.2021.
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Einwechselspieler glänzen Petkovics furiose zweite Garde und etwas Hilfe vom Fussballgott

Vom Petersdom nach St. Petersburg: Wie Vladimir Petkovic den Sieg einwechselte und was die Schweizer Garde damit zu tun hat.

Nicht nur die weltmeisterliche Elf der Franzosen, auch die Spieler auf der Ersatzbank liessen den gemeinen Fussballfan mit der Zunge schnalzen. Da sassen etwa Spektakelstürmer Olivier Giroud, Mittelfeldtank Moussa Sissoko oder das Bayern-Trio Kingsley Coman, Lucas Hernandez und Corentin Tolisso.

Und tatsächlich hatten Einwechselspieler massgeblichen Anteil am Ausgang des Achtelfinals. Doch nicht etwa die französischen, sondern die Nati-Akteure, die Vladimir Petkovic in den Kampf entsandte.

Von den 5 Penaltyschützen liefen mit Mario Gavranovic, Fabian Schär, Ruben Vargas und Admir Mehmedi erstaunlicherweise 4 «Joker» an. Doch schon vorher sorgte die «zweite Schweizer Garde» dafür, dass der Coup überhaupt möglich wurde:

  • Gavranovic: Kam in der 73. Minute für Xherdan Shaqiri

Der Nati-Joker par excellence muss schon nach 2 Minuten mitstaunen, wie Paul Pogba traumhaft zum 3:1 trifft. Nach Haris Seferovics 2:3 erlebt Gavranovic ein unliebsames Déjà-vu: Sein Ausgleich wird von einer hauchdünnen Offside-Position zunichte gemacht, wie schon gegen Wales. Doch das kann den Dinamo-Zagreb-Legionär nicht stoppen. Wie er in der 90. Minute beim 3:3 Presnel Kimpembe aussteigen lässt und eiskalt einnetzt, ist Weltklasse. Und der Penalty? Kalt wie eine Hundeschnauze.

  • Kevin Mbabu: Kam in der 73. Minute für Silvan Widmer

Gegen die Türkei wurde der flinke Aussenläufer nach zuvor zwei wirren Auftritten aus dem Team rotiert. Gegen Frankreich wird Mbabus Unberechenbarkeit zur Stärke, wie in der 97. Minute, als er allen davonläuft, sein Zuspiel aber keinen Abnehmer findet. Noch mehr in Erinnerung bleibt seine gefühlvolle Flanke zum 2:3. Glücklich schätzen darf sich der Ball, der so gestreichelt wird.

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Seferovic und Gavranovic bringen die Schweiz in extremis zurück
Aus Sport-Clip vom 28.06.2021.
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  • Christian Fassnacht: Kam in der 79. Minute für Steven Zuber

Basels Widmer hielt in der Gruppenphase einsam die Super-League-Fahne hoch. Gegen Frankreich erhält dann auch Fassnacht die Chance zur Bewährung. Der YB-Mann nutzt sie, und wie: Dem 2:3 und dem 3:3 gehen jeweils Ballgewinne von Fassnacht voraus, erst luchst er Coman, dann Pogba das Leder ab. Hand aufs Herz, hätten Sie vor dem Spiel Geld auf folgende Schlagzeile gesetzt: «Fassnacht gibt gegen Frankreich sein EM-Debüt und leitet zwei Tore ein»?

  • Vargas: Kam in der 80. Minute für Breel Embolo

Für seine 22 Jahre hat Vargas auf der Fussballbühne schon einiges erlebt, ein EM-Achtelfinal gegen den Weltmeister gehört nicht dazu. Dem gebürtigen Luzerner ist die Nervosität anzumerken, doch er reibt sich auf, ackert, dribbelt. Die Chuzpe des Youngsters, sich der delikaten Aufgabe des Penaltyschiessens zu stellen, wird belohnt: Hugo Lloris' Fingerspitzen können ihn nicht stoppen. Vielleicht gibt es ja wirklich einen Fussballgott.

  • Fabian Schär: Kam in der 97. Minute für Seferovic

Gerne schwankt der Wiler in der Nati zwischen Genie und Wahnsinn. Auch er wird wie Mbabu ein «Opfer» der enttäuschenden ersten beiden Euro-Auftritte und verliert seinen Stammplatz. Gegen Frankreich leistet er hingegen wichtige Stabilisierungshilfe und bleibt vom Punkt nervenstark.

  • Admir Mehmedi: Kam in der 87. Minute für Ricardo Rodriguez

«Wenn es mich braucht, muss ich auf den Punkt bereit sein», sagt Mehmedi im Trainingscamp. Dass ihn seine Jokerrolle wurmt, gibt er offen zu. Nun erhält er seine Chance – und lässt seinen Worten Taten folgen. Bereits in der 93. Minute könnte sich der «Admiral» zum Helden machen. Doch sein Abschluss nach einem Eckball gerät zu zentral. Im Elfmeterschiessen trägt er massgeblich zur Geschichtsschreibung bei: Abgebrüht versenkt er den 5. Versuch, eine Minute später ist das Happy End perfekt.

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Das Penaltyschiessen von Frankreich - Schweiz in voller Länge
Aus Sport-Clip vom 28.06.2021.
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Vom Petersdom nach St. Petersburg

Der 28. Juni 2021 – ein Tag, an dem die Nati vielleicht den grössten Sieg ihrer Geschichte feierte. Neben letztlich 17 heroisch kämpfenden Akteuren und mindestens so vielen grösseren und kleineren Geschichten ist es auch ein Triumph Petkovics. Die ihm oft zur Last gelegte Sturheit gereichte dem Stoiker zum Erfolg, alle «Joker» stachen zudem.

Vor dem Achtelfinal hatte die Nati die Schweizer Garde im Vatikan besucht. Gegen Frankreich zeigte gerade auch die «zweite Garde» dieselben elementaren Tugenden: Solidarität, Einsatz. Vom Petersdom geht es nach St. Petersburg an den Viertelfinal. Und wie sich ja bereits bei Vargas zeigte: Der Fussballgott scheint der Nati gewogen.

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Die Nati zu Besuch bei der Schweizer Garde
Aus Sport-Clip vom 24.06.2021.
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SRF zwei, sportlive, 28.6.2021, 21 Uhr;

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Anouk Amsler  (kuna94)
    ENDLICH! Ja, ich habe viel Kritik geäussert.Aber sie haben das gezeigt was alle verdient haben: Einsatz. Es geht nicht primär ums Gewinnen, sondern um die Bereitschaft zu kämpfen. UND ENDLICH bringt Petko die "jungen", spritzigen und laufbereiten Spieler auf die es jetzt ankommt!! Nicht die welche teure Karren fahren,sondern bereit sind bis zum bitteren Ende zu gehen, sind die wertvollen Spieler! weiter kämpfen und wir sehen was drin liegt! Sieg ist zweitrangig wenn die Bereitschaft stimmt
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Ohne Zuwanderung geht in der CH nichts mehr, in allen Bereichen, aber beim Fußball wird es so schön sichtbar. Aber Dankbarkeit gibts nur bei Erfolg, sonst viel unterschwellige Aggressionen. Ich wünschte mir, dass man zusammen gewinnt und verliert. Auch Stars dürfen ihre Macken haben und ob sie jetzt singen oder nicht ist mir Wurst.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Vielleicht mal die andere Seite betrachten? Warum leben Sie als CH im Ausland? Warum hat F oder D nicht nur Namen wie Hervé, La Fontaine, Müller, Schmitt in ihren Mannschaften? Warum spielen verschieden farbige Menschen in vielen europäischen Teams? Genau Herr Gerber, aus dem selben Grund wie die Fussballspieler in der Schweiz. Ich finde Ihren Kommentar unpassend. Die Welt ist nicht mehr wie vor 40, 50 Jahren. Und jeder/ jede, der/die (s)eine Chance packt, egal wo auf der Welt, hat es verdient.
    2. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Herr Meyer, ich verstehe Ihren Kommentar nicht so ganz, denn Sie bestätigen ja mit jedem Wort, was ich bereits geschrieben habe. Warum höre ich ein Aber, wo wir uns doch völlig einig sind?
    3. Antwort von Stefan Gisler  (GiJaBra)
      Nicht nur in der Schweiz, schauen sie sich DE, IT, FR etc an...
      Das gibt der Schweiz eine gewisse Würze, ei e Schweiz nur mit ,,Schweizer Vorfahren,, langweilig wie Spaghetti ohne Salz und Sauce. Es lebe die Vielfal in der Schweizer Bevölkerung und im Sport. Danke an alle die die Schweiz variantenreicher machen.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Es geht darum Herr Gerber, weil Sie so tun als sei die Schweiz das einzige Land auf der Welt, das von Zuwanderung profitieren würde. Weltweit ist das so. Viele Schweizer Fussballer spielen in ausländischen Teams, somit profitieren alle. Und was Sie unter Dankbarkeit verstehen, ist mir auch nicht klar. Die jungen begabten Fussballer wurden hier ausgebildet, aufgebaut und sie haben sich entschieden für die Schweiz zu spielen. Ressentiments gibt es weltweit. Auch in Deutschland und zwar genug.
    5. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Herr Meyer, weiterhin voll einverstanden. Die CH ist
      nichts besonderes. Dieselben Themen weltweit.
    6. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Falsch Herr Gerber, In diesem Fall ist die Schweizer Mannschaft etwas besonderes. Sie haben als Aussenseiter eine tolle Leistung gebracht und einen Turnierfavoriten nach hause geschickt. Und das alles in einem spektakulären Spiel.
    7. Antwort von Hans Maag  (Maag Hans)
      an F.Meyer: Leider stimmt Herrn Gerbers Aussage insofern, als in der Schweiz bedauerlicherweise konstant an den Secondos herumkritisiert wird, wenn sie für einmal die erhoffte Leistung nicht bringen.
  • Kommentar von Domink Rindlisbacher  (DomiTorres9)
    Herrlich wie Pogba nach seiner zugegeben absoluten Traumbude seinen gefühlt 8-minütigen Deppentanz aufführt nur um dann 60 Minuten später nach Hause zu fahren. Herrlich!!