Die Sehnsüchte der gesamten Fussballnation lasten tonnenschwer auf Trainer Gennaro Gattusos Schultern. Im alles entscheidenden Duell in Bosnien-Herzegowina will, nein, muss Italien den WM-Fluch endlich bannen.
«Wir sind Italien, und wir haben die Verantwortung, uns für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren», sagte Linksaussen Federico Dimarco vor dem «Endspiel» gegen Edin Dzeko und Co. in Zenica.
Am Dienstagabend will Italien die nächste grosse Schmach unbedingt verhindern. Zuletzt war der vierfache Weltmeister 2014 bei einer Endrunde dabei, 2018 und 2022 scheiterte Italien in der Qualifikation.
Die Generation «Senza Mondiale»
Die italienische Achse aus Stammkräften wie Dimarco (28), Captain Gianluigi Donnarumma (27) oder Mittelfeldmotor Sandro Tonali (25) droht nicht weniger als ein vernichtendes Generalurteil ihrer Nationalmannschaftskarriere. Ja, da war der grosse Triumph bei der Europameisterschaft 2021, aber präsenter sind die vielen WM-Enttäuschungen.
So schreibt die italienische Tageszeitung La Repubblica von einer «Generation S». Das «S» steht dabei für «Senza Mondiale», übersetzt also «ohne WM». Der Druck ist riesig, zumal sich die Mannschaft selbst zusätzliche Fallhöhe geschaffen hat.
Nach dem Triumph gegen Nordirland versammelten sich die Nationalspieler nämlich vor dem Bildschirm, um die Partie der Bosnier gegen Wales zu verfolgen. Später jubelten sie über den Erfolg von Bosnien-Herzegowina, was den Verdacht aufkommen liess: Freut sich Italien über den vermeintlich schwächeren Finalgegner?
Vorfreude auf den Italien-Experten
«Man hat mich als arrogant bezeichnet, aber wie könnte ich das sein, wo wir doch zwei Weltmeisterschaften verpasst haben?», sagte Dimarco über seine «intuitive» Freude.
Immerhin konnten sich Dimarco und etliche Nationalmannschaftskollegen über das damit feststehende Wiedersehen mit dem Italien-Experten Dzeko freuen. Denn während seiner knapp zehn Jahre in der Serie A spielte der mittlerweile 40-Jährige etwa bei Inter Mailand an der Seite von Dimarco oder Italiens Abwehrchef Alessandro Bastoni.
Am Dienstag muss die Freundschaft für mindestens 90 Minuten ruhen. In Zenica wird es kalt, weniger als fünf Grad sind prognostiziert, und der Platz ist matschig.
Gefrorener Platz, bescheidenes Hotel
Wie der Corriere della Sera berichtete, werden sich die Italiener nach ihrer Ankunft bereits mit dem teils gefrorenen Rasen vertraut machen, ehe sie sich in einem «bescheidenen Hotel in der kleinen Industriestadt niederlassen».
Die widrigen Bedingungen sind vielleicht ein kleiner Vorteil für die Bosnier, sagte Dzeko, aber als Favoriten «können wir uns nicht bezeichnen». Die Rollen vor diesem ungleichen Duell sind eben klar verteilt.