Es ist inzwischen zur Gewohnheit geworden: Am vorletzten Sonntag fuhr Marcel Hug beim Marathon in London den nächsten überlegenen Sieg bei einem der World Majors ein. Es war sein achter Erfolg in der englischen Hauptstadt, womit der Thurgauer die Bestmarke von David Weir (GBR) egalisierte.
Hug ist über die 42,195 km einsame Klasse. Der Triumph in London ist sein 10. Marathon-Sieg de suite – Gold bei den Paralympics in Paris inklusive. Seit seinem 2. Platz in Chicago im Oktober 2021 lautet Hugs Bilanz über die längste aller Strecken: 33 Starts, 32 Siege. Einzig beim New-York-Marathon 2024 musste sich der Schweizer mit Rang 4 begnügen. Dies, nachdem er sich während des Rennens an einem Finger verletzt hatte. «Es war heute einfach nicht mein Tag», sagte Hug damals.
Der Sport als Privileg
Was bei Hugs Dominanz leicht vergessen geht: Der siebenfache Paralympics-Champion ist bereits 40-jährig. Wie ist es möglich, dass er die jüngere Konkurrenz mit scheinbar spielender Leichtigkeit in Schach hält? «Ich frage mich regelmässig, woher diese Konstanz kommt und wie ich mich immer wieder motivieren kann», sagt Hug und fügt die Gründe an: «Es ist die Passion für diesen Sport. Ich übe ihn einfach gerne aus und trainiere gerne.» Es sei ein Privileg für ihn, draussen zu sein und sich bewegen zu dürfen.
Der Ehrgeiz ist trotz all seiner Erfolge ungebrochen: «Ich bin motiviert, mich stetig zu verbessern, eine bessere Version von mir selbst zu werden.» Hug hält aber fest: «Langsam habe ich den Zenit erreicht.» Deshalb sei es normal, dass er sich auch Gedanken über einen Rücktritt mache. Konkrete Überlegungen gibt es indes noch nicht. «Ich schaue von Jahr zu Jahr», sagt Hug. Eine Teilnahme bei den Paralympics in Los Angeles 2028 ist nicht ausgeschlossen.
Den Weltrekord will er noch einmal verbessern
Bis es so weit ist, bleibt Hug der Tüftler, der Perfektionist, der nicht zuletzt aus seinem Material das Beste herauszuholen versucht. Das beschränkt sich nicht nur auf den Rollstuhl. Zuletzt suchte der Schweizer auch nach Verbesserungen bei seinen Handschuhen. Auch das Thema Erholung geniesst bei Hug einen immer grösseren Stellenwert.
Gefragt nach seinem letzten grossen Ziel, nennt Hug die Verbesserung seines Marathon-Weltrekords: «Ich habe das Gefühl, dass noch ein paar Sekunden drinliegen.» Man kann sich irgendwie nicht vorstellen, dass Hug nicht auch das noch packen wird.