Zurück in der Schweiz wird Xenia Schwaller langsam bewusst, was passiert ist. «Ich habe davon geträumt, seit ich ein kleines Mädchen war. Dass es jetzt schon Realität ist, fühlt sich surreal an», sagt die frischgebackene Curling-Weltmeisterin beim Hausbesuch von SRF wenige Tage nach dem sensationellen Triumph.
Dabei war die WM gar nicht als grosses Ziel definiert. Der Fokus lag auf der Schweizer Meisterschaft – und schon deren Gewinn war ein Meilenstein. Dass das junge Team danach auch international für Furore sorgen würde, hatten die wenigsten auf der Rechnung.
Kritik ausgeblendet
Im Gegenteil: Die Kritik war laut, insbesondere, weil nach dem SM-Triumph der Equipe des CC Grasshoppers nicht das Silber-Team von Milano Cortina um Skip Silvana Tirinzoni aufgeboten wurde. «Wir haben mehr kritische als positive Stimmen gehört», so Schwaller. «Aber wir wussten, dass wir mithalten können und wollten genau das beweisen.»
Auf der Tour ist er mein Coach, zuhause mein Vater.
Ein Schlüssel zum Erfolg war der Teamgeist. Vier Spielerinnen im gleichen Alter, laut Schwaller alle «sehr motiviert und perfektionistisch». Auch die spezielle Konstellation mit Vater Andreas Schwaller als Trainer funktionierte. «Auf der Tour ist er mein Coach, zuhause mein Vater.»
Erfolg trotz jungen Alters
Andreas Schwaller erlebte den Final mit höchster Anspannung, blieb aber immer zuversichtlich. «Ich wusste, dass sie extrem gut drauf sind.» Schon der Finaltriumph an der SM gegen die Weltnummer 1 habe gezeigt, was alles für diese Equipe möglich ist. Kritik? «Die haben wir ausgeblendet.»
Stattdessen überzeugte das Team mit Konstanz und Coolness trotz jungen Alters und wenig internationaler Erfahrung. «Das Alter wird überbewertet», sagt der ehemalige Europameister sowie WM- und Olympiamedaillengewinner mit einem Augenzwinkern.
Tattoo winkt – und Olympia?
Gefestigt wird der Teamspirit auch durch eine ungewöhnliche Wette: Nach dem WM-Titel lässt sich das ganze Team ein kleines Tattoo stechen: einen Grashüpfer, in Anlehnung an den eigenen Klub.
Langfristig ist das Ziel klar: Olympia 2030. «Jetzt wächst der Druck», sagt Andreas Schwaller. «Aber genau solche Erfahrungen brauchen wir.» Der WM-Triumph könnte damit erst der Anfang von etwas ganz Grossem sein.