Am Sonntag kämpfte das Team des CC Aarau um Skip Silvana Tirinzoni in Cortina noch um Olympiagold. Die anfängliche Enttäuschung über die knappe Final-Niederlage gegen Schweden wich im Verlauf des Tages doch noch der Freude über den Gewinn von Silber. Gross Zeit, das Erreichte zu feiern, geschweige denn zu verarbeiten, haben Tirinzoni, Alina Pätz, Carole Howald und Selina Witschonke aber vorerst nicht.
Es geht um das WM-Ticket
In dieser Woche stehen in Bern die Schweizer Meisterschaften an. Klar, die Bühne ist im Vergleich zu Olympia im Quadrat kleiner. Und doch steht für das Team Tirinzoni viel auf dem Spiel – um genau zu sein die Teilnahme an der diesjährigen WM, welche vom 14. bis 22. März im kanadischen Calgary steigt.
Die Frauen-Konkurrenz an den Schweizer Meisterschaften begann am Dienstag, Tirinzoni und Co. waren aber «erst» am Mittwoch ein erstes Mal gefordert. Der Auftakt gelang dem Quartett nach Mass. Gegen Luzern resultierte ein klarer 10:2-Sieg.
Tiefer Energie-Haushalt
«Die Situation ist schon etwas extrem im Moment. Wir sind einfach müde, im Kopf und körperlich», so Tirinzoni nach dem Startsieg. Aber ihr Team wolle unbedingt gewinnen und an die WM. Dass der Titel an der SM keine Selbstverständlichkeit ist, bekam die Equipe des CC Aarau vor einem Jahr zu spüren, als man dem Team des CC Zug um Skip Corrie Hürlimann den Vortritt lassen musste.
«Ich hätte mir ehrlicherweise eine Curling-freie Zeit gewünscht. Es hätte wohl auch eine andere Lösung gegeben, als die SM unmittelbar nach Olympia anzusetzen», kritisiert Tirinzoni den Verband. «Aber jetzt ziehen wir das noch durch.»
Team Schwaller siegt weiter
Ähnlich wenig Verschnaufzeit hatten auch die Schweizer Männer, welche an den Olympischen Spielen die Bronzemedaille ergatterten. Die Equipe des CC Genf um Skip Yannick Schwaller bestritt den kleinen Olympia-Final gegen Norwegen am vergangenen Freitag.
Pablo Lachat-Couchepin, Sven Michel, Schwaller und Benoît Schwarz-van Berkel standen an den Schweizer Meisterschaften bereits am Montagabend ein erstes Mal im Einsatz. Auch für sie geht es um das Ticket für die WM, die vom 27. März bis 4. April in Ogden City im US-Bundesstaat Utah über die Bühne geht. Bisher liegen sie auf Kurs, in vier Spielen resultierten vier Siege.
Die Belastung sei schon gross, gab Skip Schwaller am Mittwoch zu, sein Team brauche momentan jede Minute Schlaf. «Dafür können wir den Erfolg weiterhin gemeinsam geniessen.» Ein WM-Verzicht sei für sein Team nicht in Frage gekommen. «Die Weltmeisterschaft ist das Zweitwichtigste in unserem Sport. Darum wollen wir unbedingt dabei sein.»
Verband rechtfertigt sich
Zum engen Zeitplan vertritt der Solothurner wie Tirinzoni eine klare Meinung. «Es ist wahrscheinlich das Ziel des Verbands, dass wir dieses Jahr nicht an die WM gehen. Wir waren jetzt vier Mal dabei und diese WM ist im Nationenranking für Olympia 2030 nicht relevant. Wir sind da anderer Meinung, darum spielen wir hier.»
Claudio Pescia, Head of Sports bei Swiss Curling, spricht von einer «schwierigen Planung in einer Olympiasaison». Es gäbe viele Interessen, die man zusammenbringen muss. Neben den beiden Olympia-Teams nehmen an der SM noch 11 weitere Equipen teil, daneben kommen in Bern auch die Para-Curler zum Einsatz. Hinzu käme die Suche nach einem OK, das alles unter einen Hut bringen muss.