Von einem solchen Erfolg hatte er nicht einmal geträumt. «Es war einfach ein unglaublicher Tag», sagte Lucas Malcotti nach seinem Finalsieg an der WM in Hongkong. «Ich hatte gar keine Zeit, mir vorzustellen, dass ich diesen Weltmeistertitel gewinnen könnte.»
Der 31-jährige Walliser ist er der erste Schweizer, dem dieses Kunststück in dieser auf allen Kontinenten vertretenen Weltsportart gelingt. Dass Malcotti ein Mann für die grossen Momente ist, stellte er aber schon früh unter Beweis.
2018 in die Bresche gesprungen
Der heutige Verbandspräsident und ehemalige Weltranglisten-Erste Max Heinzer erinnert sich an die WM vor acht Jahren in China, als Malcotti im Teamwettkampf hinter Heinzer, Benjamin Steffen und Michele Niggeler der Ersatzmann war.
Ausgerechnet im Final entschied sich das Team aber für einen Poker und nominierte den jungen Walliser für das Startgefecht. Der Südkoreaner Jung Jin-Sun war eine Art Angstgegner von Steffen. Malcotti trat auf die Planche und übergab mit einer Führung an seine Teamkollegen – am Ende waren die Schweizer erstmals Team-Weltmeister.
«Teammedaille bleibt das Hauptziel»
Mit Goldmedaillen wurde die durchaus traditionsreiche Fechtnation Schweiz bisher nicht verwöhnt. 1989 triumphierte die Bernerin Anja Straub in Denver, als Degenfechten für die Frauen überhaupt erstmals im Programm stand. 2018 holte das Männerteam in Wuxi wie erwähnt Gold. Unvergessen ist schliesslich der Olympiasieg des Seeländers Marcel Fischer 2004 in Athen.
In WM-Finals wollte es für die Männer hingegen nie klappen. Daniel Giger 1983 in Wien, Olivier Jaquet 1994 in Athen und Basil Hoffmann 2001 in Nîmes mussten sich jeweils mit Silber «begnügen». Bis zu Malcottis Coup am Sonntag in Hongkong.
Der Hauptfokus des Sitteners lag eigentlich auf dem Teamwettkampf vom Mittwoch. Die Schweizer haben zurecht hohe Ambitionen, drei von fünf Weltcups haben sie in dieser Saison gewonnen, zuletzt im Mai zuhause in Bern. «Die Teammedaille nach Hause zu bringen, bleibt das Hauptziel», betont Malcotti. Er und seine Kollegen können nun euphorisch und befreit angreifen.