45 weitere Doping-Nachtests von Peking und London positiv

Der Doping-Schrecken nimmt kein Ende: Das Internationale Olympische Komitee vermeldete am Freitag weitere 45 positive Proben bei Nachtests der Spiele 2008 und 2012. Unter den 30 überführten Dopingsündern von Peking befinden sich 23 Medaillengewinner.

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45 weitere Doping-Nachtests von Peking und London positiv

0:19 min, vom 22.7.2016
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Özkan verliert Silber

Die türkische Gewichtheberin Sibel Özkan muss auf Anweisung des IOC die Silbermedaille zurückgeben, die sie vor 8 Jahren an den Olympischen Spielen in Peking gewann. Der 28-jährigen Athletin der 48-kg-Klasse wurde nachträglich Doping mit dem Anabolikum Stanozolol nachgewiesen.

Namen der Sportler nannte das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht, die Öffnung der B-Proben steht noch aus. Alle überführten Athleten müssen mit einer Sperre sowie dem Aus für die Spiele in Rio (5. bis 21. August) rechnen.

«Die neuen Nachanalysen zeigen einmal mehr das Engagement des IOC im Kampf gegen Doping», erklärte IOC-Präsident Thomas Bach. Die betreffenden Sportler, Nationalen Olympischen Komitees und Weltverbände wurden informiert.

Erneut Russen überführt?

Als wahrscheinlich gilt, dass erneut zahlreiche russische Sportler überführt worden sind. Bei der ersten Nachuntersuchung von Peking stammten von 30 erwischten Athleten alleine 14 aus dem grössten Land der Erde, darunter wohl zehn Medaillengewinner. Von den 23 positiven London-Proben im Mai stammten acht aus Russland.

Weitere positive Fälle aus Russland wären auch Öl ins Feuer derjenigen, die nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports über staatlich gestütztes Doping vehement einen Ausschluss Russlands von den Spielen in Rio fordern.

Nachdem der Internationale Sportgerichtshof TAS am Donnerstag bereits den Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten bestätigt hatte, steht das IOC nun vor einer folgenschweren Entscheidung.

Spiele 2008: Acht Länder betroffen

Die am Freitag vom IOC veröffentlichten Zahlen sind das Ergebnis der zweiten Welle der Nachuntersuchungen von Proben der vergangenen beiden Sommerspiele. Im Blickpunkt standen dabei erneut jene Athleten, die für einen Start in Brasilien infrage kamen. Die positiven Fälle von Peking kommen aus vier Sportarten und betreffen acht Länder. Die 15 auffälligen Ergebnisse von London stammen von Aktiven aus zwei Sportarten und neun Ländern.

Damit sind in den ersten beiden Durchgängen der Nachuntersuchungen bislang insgesamt 98 positive Fälle bekannt geworden. Im Mai waren in der ersten Welle 30 Sportler bei den Spielen 2008 und 23 bei denen vor vier Jahren nachträglich überführt worden.

Insgesamt wurden bislang 1243 eingefrorene Dopingproben neu untersucht. Nach den Sommerspielen im August in Rio wird es zwei weitere Runden von Nachtests der Spiele 2008 und 2012 geben.

Bislang 1243 Proben von Peking und London nachgetestet


Peking 2008London 2012
1. Untersuchungswelle (Mai 2016)454 Proben / 30 überführte Athleten / 12 NOKs / 6 Sportarten265 Proben / 23 überführte Athleten / 6 NOKs / 5 Sportarten
2. Untersuchungswelle (Juli 2016)386 Proben / 30 überführte Athleten / 8 NOKs / 4 Sportarten138 Proben / 15 überführte Athleten / 9 NOKs / 2 Sportarten

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 21.7.2016, 22:20 Uhr