Im Mai 2025 wollte Karl Egloff einen weiteren Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Doch heftige Schneefälle und extreme Kälte zwangen den schweizerisch‑ecuadorianischen Extrembergsteiger am Mount Everest auf knapp 7000 Metern zur Umkehr. Ein Jahr später startet der 45‑Jährige nun seinen letzten Versuch, sein Projekt «Seven Summits» zu vollenden – beginnend mit dem höchsten Berg der Erde.
Egloff hält derzeit 4 Speed-Rekorde auf den «Seven Summits». Die Bestzeiten am Mount Everest, am Mount Vinson und an der Carstensz‑Pyramide fehlen ihm noch. Er will noch in diesem Jahr alle Gipfel besteigen – idealerweise jeweils mit neuem Rekord für Auf- und Abstieg. Dafür hat sich der zweifache Familienvater monatelang und minutiös vorbereitet.
«Alleine die Besteigung des Mount Everest hat eine Vorbereitungszeit von drei Viertel Jahr beansprucht», sagt Egloff im SRF-Interview. 20 Stunden pro Woche investierte er in Lauf- und Krafttraining. Zudem simulierte er zuhause das Höhenlufttraining, auf dem Ergometer mit Atemmaske oder mit Schlafen im Höhenzelt, das im Wohnzimmer stand.
Den Everest setzt Egloff bewusst an den Anfang. «Es ist wichtig, dass ich den grossen Aufwand fürs Höhentraining zuerst investiere. Danach folgen zwar Erholungsphasen, ich kann aber von der Vorbereitung profitieren und muss nicht wieder bei null beginnen.»
Die vielen Menschen am Berg sind ein grosses Thema
Egloff, der seine Kindheit in Ecuador verbracht hat und seit 2024 wieder in der Schweiz lebt, fliegt am 12. April nach Nepal. Dort wird er sich akklimatisieren und am Berg trainieren. Der Rekordversuch ist für Mai geplant – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Entscheidend ist zudem, wie viele Menschen sich gleichzeitig am Berg befinden.
Es ist wichtig, dass so wenig Menschen wie möglich am Berg sind. Wir haben nur wenig Spielraum für eine Abweichung vom Plan.
«Die Menschen am Berg sind ein grosses Thema. In der Todeszone darf ich beispielsweise keine Leute überholen. Deshalb ist es wichtig, dass so wenig Menschen wie möglich am Berg sind», erklärt Egloff und fügt an: «Wir haben nur wenig Spielraum für eine Abweichung vom Plan. Wir wollen so präzise wie möglich sein, damit ich das Vorhaben in Bestform angehen kann.»
Läuft alles nach Plan, wird Egloff im Oktober die Carstensz-Pyramide in Ozeanien und im Dezember den Mount Vinson in der Antarktis besteigen – und damit sein Herzensprojekt abschliessen. Denn er stellt klar: «Es ist der letzte Versuch, den Everest als Speed-Kletterer bezwingen zu wollen.»
Die Rekorde selbst seien letztlich «nur eine Zahl». Am wichtigsten sei ihm, mit sich selbst zufrieden zu sein. «Aber ja», räumt Egloff ein, «es wäre das Tüpfelchen auf dem i, mit einem Rekord aufzuhören.»