Zum Inhalt springen

Header

Video
21. Etappe: Zusammenfassung
Aus Sport-Clip vom 20.09.2020.
abspielen
Inhalt

Pogacar, der Einzelkämpfer Das etwas andere slowenische Märchen

Statt Primoz Roglic steht in Paris mit Tadej Pogacar ein anderer Slowene ganz zuoberst auf dem Podest. Das ist in vielerlei Hinsicht erstaunlich.

Eigentlich hatte Primoz Roglic wie der sichere Sieger der diesjährigen Tour de France ausgesehen. Doch der Jumbo-Visma-Captain, ein ausgewiesen starker Zeitfahrerer, erwischte am vorletzten Tag hinauf auf die Planche des Belles Filles einen rabenschwarzen Tag.

Ganz anders Tadej Pogacar. Der 21-jährige Slowene flog im Bergzeitfahren regelrecht die giftige Steigung hoch und entriss seinem 9 Jahre älteren Landsmann das Gelbe Trikot. Ein Paukenschlag zum Abschluss der Tour, der so nicht hatte erwartet werden können.

Nicht nur, weil das abschliessende Einzelzeitfahren Roglic wie auf den Leib geschneidert schien. Sondern vor allem deshalb, weil es die Gesetzmässigkeiten der vergangenen Jahre komplett auf den Kopf stellt.

Video
Pogacar fliegt im Bergzeitfahren zum Tour-Sieg
Aus sportflash vom 19.09.2020.
abspielen

Kometenhafter Aufstieg

Mit 21 Jahren gehört Pogacar zu den Jüngsten im ganzen Feld. Sein Potenzial hatte er im letzten Jahr angedeutet, als er bei der Vuelta – seinem ersten Grand-Tour-Start – als Dritter auf dem Podest landete und dabei 3 Tagessiege einfuhr. Einige Monate zuvor hatte er als noch 20-Jähriger die Kalifornien-Rundfahrt gewonnen. Statt einer Flasche Champagner gab's für den Youngster einen Plüschbären.

Anders als Roglic, der erst nach seiner Karriere als Skispringer auf das Rad umgesattelt hatte, setzte Pogacar schon in jungen Jahren auf die Karte Radsport – und galt als Jahrhundert-Talent. Nach dem Durchbruch in seiner ersten Profisaison und dem Aufstieg zum Tour-Sieger binnen eines Jahres ist er diesen Vorschusslorbeeren mehr als gerecht geworden.

Einzelkämpfer schlägt Team der Stunde

Pogacars Triumph ist vor allem deshalb erstaunlich, weil der junge Slowene in den Bergen praktisch immer auf sich allein gestellt war. Ganz anders sah das bei Roglic aus, der behütet im gelb-schwarzen Jumbo-Visma-Zug durch die Gebirge pilotiert wurde.

Mit Wout van Aert, der ohne seine Helferpflichten wohl den einen oder anderen Etappensieg mehr hätte einfahren können, oder Tom Dumoulin, hatte Roglic starke Helfer um sich. Wie Jumbo-Visma das Geschehen an der Spitze des Feldes kontrollierte, weckte Erinnerungen an die Jahre, an denen der Sky- respektive Ineos-Zug das Peloton durch Frankreich führte. Und mit dieser Strategie waren die Briten über Jahre äusserst erfolgreich.

Der gelb-schwarze Jumbo-Visma-Zug mit Primoz Roglic.
Legende: Gab oft den Ton an Der gelb-schwarze Jumbo-Visma-Zug mit Primoz Roglic. Keystone

Nun endete die Tour aber nicht mit der endgültigen Wachablösung von Ineos durch Jumbo-Visma. Vielmehr bestieg ein Einzelkämpfer bei letzter Gelegenheit den Thron.

Aus dem Schatten heraus

Im direkten Duell Mann-gegen-Mann mit seinem Freund Roglic war Pogacar eindeutig der Stärkere. Richtig gnadenlos offenbarte sich dies im Aufstieg zur Planche des Belles Filles. Vergessen darf man aber auch nicht, dass der Youngster aus dem UAE Team Emirates auf der 7. Etappe bei einer Windkante fast 1:30 Minuten eingebüsst hatte – und dies im Nachhinein nicht mehr als eine Randnotiz ist.

Letztlich spielte es Pogacar wohl in die Karten, dass er sich abseits von Roglics kontrollierendem Jumbo-Visma-Team im Hintergrund halten konnte. Um sich dann aus dem Schatten heraus zum jüngsten Tour-Sieger der Nachkriegszeit zu krönen.

SRF zwei, sportlive, 20.09.2020, 17:30 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Konrad Colombo  (Konrad)
    Wenn nicht ein Hilfsmotörchen, was dann. Immer schneller, immer höher, immer weiter. Der Schritt ist jetzt nun mal zu gross, unnatürlicher geht nicht mehr. Schweizer eingeschlossen. Und trotzdem sind wir dabei, bei den Helden der Landstrassen, der steilsten Bergstrassen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lukas Rau  (LRB)
    Bei allem Respekt, ich kann einfach nicht glauben, dass Pogacar sauber ist. Er fuhr die Steigung so schnell hoch und erreichte W/Kg-Werte wie sonst nur Doper wie Winokurow und Armstrong. Und sein Chef bei UAE ist Mauro Gianetti, der 2008 mit Saunier-Duval an der TdF mit Doping aufgeflogen ist. Der Fall damals war ziemlich ähnlich, Riccardo Ricco knallte die Steigungen hinauf. 2007 flog im selben Team mit Chef Gianetti der Bergfahrer Iban Mayo auf. Aber ja. Vielleicht ist Pogacar halt so gut...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ramun G. Saluz  (RGS)
    Pogacar hat sich so geschickt gefahren und verhalten, dass man hätte meinen können, er gehöre zur Mannschaft von Roglic. Ohne diese "Helfer" hätte er am Ende der Tour wahrscheinlich nicht mehr so viel Kraft gehabt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen