Die Tour de Suisse hat sich in diesem Jahr neu erfunden. Mit der parallelen Austragung der Frauen- und Männerrennen, Rundstrecken mit Start und Ziel am selben Ort sowie der Verdichtung auf fünf Renntage wagte die Schweizer Landesrundfahrt einen Schritt, den bislang kein anderes World-Tour-Etappenrennen vollzogen hat.
Die Rückmeldungen von Zuschauern, Sponsoren und Teams seien überwiegend positiv ausgefallen. Gleichzeitig habe die Tour de Suisse die Erwartungen erfüllt, die mit der Neuausrichtung verbunden waren. «Wir können sagen, es hat eigentlich das gebracht, was wir wollten», sagt Tour-Direktor Olivier Senn. Mehr Unterhaltung, höhere Zuschauerzahlen in den Etappenorten sowie zusätzliche Aktivierungsmöglichkeiten für Sponsoren und Gastgeber seien erreicht worden.
Weitere Aufmerksamkeit brachte die Teilnahme von Tadej Pogacar. Der slowenische Weltmeister lockte das Publikum an die Strecke und verschaffte dem neuen Konzept zusätzliche Sichtbarkeit. «Er bringt uns die Zuschauer, er bringt uns aber auch die Möglichkeit, wirklich breit zu kommunizieren zu diesem neuen Konzept», sagt Senn.
Etappenorte zu verstreut
Trotz der positiven Bilanz sehen die Organisatoren Verbesserungsbedarf. Besonders die langen Transfers zwischen den Etappenorten gelten als grösste Herausforderung, für Fahrer und Teams wie auch für die Crew der Logistik. Die diesjährige Streckenführung sei teilweise durch bestehende Verpflichtungen und Verträge geprägt gewesen, so Senn. In Zukunft sollen die Wege zwischen den Etappen deutlich kürzer werden.
Auch das Fazit der beiden SRF-Experten deckt sich mit demjenigen der Organisatoren:
- Michelle Andres: «Die Stimmung war extrem gut, ich bin ein grosser Fan von diesem Format. Aber es gibt natürlich immer Verbesserungspotenzial. Man muss schauen, dass die Frauen vielleicht nicht ganz so früh starten müssen. Sie haben sehr frühe Rennen, auch mit den langen Transfers durch die ganze Schweiz. Das macht es schon sehr anstrengend, nicht nur für die Fahrerinnen, auch für den ganzen Staff.»
- Mathias Frank: «Verbesserungspotenzial sehe ich in den langen Tagen. Es sind lange Tage für alle, aber vor allem für den Staff, der hier arbeitet. Ich habe mit einem Töfffahrer gesprochen, der 8, 9, 10 Stunden gefahren ist. Die langen Tage ergeben sich dann vor allem durch die Transfers, die man am Schluss noch hat. Aber Olivier Senn hat es gesagt, daran wird man für nächstes Jahr arbeiten. Man wird versuchen, das Ganze kompakt zu machen, nicht mehr so viele Regionen abzudecken, und ich glaube, das ist der richtige Ansatz für die Tour de Suisse.»
Es braucht neue Ansätze
An der grundsätzlichen Ausrichtung planen die Verantwortlichen festzuhalten. Für Senn markiert die Austragung 2026 den Beginn einer langfristigen Entwicklung. Als Veranstalter seien sie überzeugt, dass die neue Form der Rundfahrt die richtige Antwort auf die veränderten Anforderungen im Sport- und Eventbereich sei.
Senn sieht darin auch eine Antwort auf die Frage, wie der Radsport langfristig attraktiv bleiben kann. Die klassischen A-nach-B-Etappen hätten den Sport gross gemacht, nun brauche es aber neue Ansätze. «Unsere Aufgabe ist es, den Radsport auch in 10, 20, 30 Jahren noch attraktiv zu halten.»