Steffi Häberlin nutzte das Schaufenster, das sich ihr zum Einstieg der Tour de Suisse bot. Die 28-Jährige zeigte sich auf der 1. Etappe aktiv und belegte beim Sieg der Niederländerin Femke de Vries nach knapp 110 km mit Start und Ziel in Sondrio den 6. Platz (+ 0,38 Sekunden).
Damit warf sie sich im Sprint noch einen Tick schneller ins Ziel als die designierte Schweizer Leaderin und Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser.
Das Medizinstudium kommt allmählich zu einem Ende
Beim Vergleich Häberli vs. Reusser klingelt es gleich mehrfach. So ist die Thurgauerin Quereinsteigerin im Radsport, wie es auch schon die um 6 Jahre ältere Bernerin war. Erst 2020 setzte sich Häberlin mit Ambitionen aufs Velo, zunächst allerdings in der Sparte Mountainbike. Dass sie auf die Strasse wechselte, war eine Folge ihrer Teilnahmen an der Tour de Romandie (2023) und Tour de Suisse (2024) mit dem hiesigen Nationalteam. Weiter darf sich der Emporkömmling Schweizer Meisterin nennen, amtierende genau genommen, was Reusser vor ihr natürlich auch schon war.
Der Coach verzweifelt manchmal schier, weil er drei Medizinerinnen um sich herum hat.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Lebensinhalt neben dem Sport, die sie beide und übrigens auch Elise Chabbey eint. Wie Reusser und Chabbey, die bereits Ärztinnen sind, studiert Häberlin Medizin. Die Häufung dieses Berufs ist auch dem Nationaltrainer aufgefallen. «Edi (Telser) verzweifelt manchmal schier, weil er drei Medizinerinnen um sich herum hat. Da fühlt er sich nicht immer so sicher», erzählt die Nummer 3 in dieser Hinsicht.
Weil sie ihre Karriere auf dem Velo vorantreibt, musste Häberlin in den vergangenen Jahren die Praktika etwas in die Länge ziehen. «Sonst wäre es neben dem Radsport zu viel gewesen. Auch so war es noch ein sehr volles Programm», sagt die Ostschweizerin. Nun neigt sich das Studium dem Ende zu.
Der Weg ist vorgespurt
Danach will Häberlin ganz auf den Radsport setzen, schliesslich ist «die Velo-Karriere endlich, ich will diese so lange wie möglich geniessen». Dabei helfen der Fahrerin der Equipe SD Worx, die sich immer wieder in Ausreissergruppen vorwagt, nicht zuletzt Leistungen wie am Mittwoch im Veltlin.
Auf ihrem weiteren Aufstieg orientiert sich Häberlin noch so gerne an Reusser, die sie «als sehr gutes Aushängeschild für den Schweizer Radsport» bezeichnet. Dies, wie sie ausführt, nicht nur wegen der sportlichen Komponente, sondern auch «weil Marlen spannende Interviews gibt und zu Themen eine starke Meinung hat». Und wenn man eine Frage habe, dann könne man Reusser auch mal anrufen und um ihre Meinung fragen.
«Wir Schweizerinnen sind kollegial unterwegs», meint Häberlin noch. Und als Ärztinnen fast unter sich ...