Stefan Küng hat in seiner Karriere schon einige unsanfte Begegnungen mit dem Asphalt gehabt. Schlüsselbein, Jochbein, Becken, Kiefer, Hand – die Liste an Frakturen ist lang. Diejenige Verletzung, die der Ostschweizer Ende Februar aber beim Omloop Het Nieuwsblad erlitten hatte, bezeichnet er selbst als die schwerwiegendste.
Küng zog sich einen Bruch an der Spitze des Oberschenkels zu. Eine Operation war unumgänglich, ebenso eine längere Pause. «Velofahren ist ein Sport, bei dem du die Beine brauchst. Und wenn das nicht mehr funktioniert, bist du nicht mehr viel wert», ordnet er ein. Er wolle es nicht überdramatisieren, «aber daran hängt meine Karriere», so der 32-Jährige, der auf diese Saison hin zum Schweizer Tudor-Team gewechselt hatte.
Familienzeit als «mentale Erfrischung»
Eine erste Standortbestimmung auf dem Weg zurück hat Küng bereits hinter sich. Ende Juni hatte er an den Schweizer Meisterschaften sein Comeback gegeben. Der 4. Rang im Zeitfahren war durchaus zufriedenstellend, wenn auch das Resultat ohnehin zweitrangig war.
In zwei Wochen peilt Küng an der Polen-Rundfahrt die Rückkehr auf die World Tour an. Im Höhentrainingslager in Frankreich holt er sich dafür derzeit den letzten Schliff. Wie so oft im Leben hatte die Zwangspause für Küng auch etwas Gutes. So viel Zeit mit der Familie hatte er in den vergangenen Jahren nie geniessen können. «Nach vielen intensiven Jahren war das eine mentale Erfrischung.»