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Roglics Debakel bei der Tour Wird diese Wunde jemals heilen?

Am Samstag hat Primoz Roglic im Zeitfahren den sicher geglaubten Tour-Sieg verloren. Ein Drama, das an 1989 erinnert.

Der am Boden zerstörte Primoz Roglic wird nach dem Zeitfahren von seinen Teamkollegen getröstet.
Legende: Unendliche Leere Der am Boden zerstörte Primoz Roglic wird nach dem Zeitfahren von seinen Teamkollegen getröstet. Keystone

Eine solch unerwartete Wende zum Schluss der Tour de France hat es seit 31 Jahren nicht mehr gegeben. Damals fing der Amerikaner Greg LeMond auf der letzten Etappe, ebenfalls ein Zeitfahren, den führenden Franzosen Laurent Fignon noch ab. Einen Rückstand von 50 Sekunden verwandelte er in einen Vorsprung von 8 Sekunden – den knappsten Abstand der Tour-Geschichte.

Ich bin enttäuscht. Ich werde weinen. Ich habe schon geweint.
Autor: Primoz Roglic

Roglic wurde am Samstag im abschliessenden Zeitfahren um einiges deutlicher geschlagen. Die 57 Sekunden Rückstand auf seinen 9 Jahre älteren Landsmann verwandelte Tadej Pogacar in einen Vorsprung von fast einer Minute. Schwer geschlagen und mit kreideweissem Gesicht erreichte Roglic die Ziellinie.

«Schmerz und Trostlosigkeit. Die Wunde wird schwer zu schliessen sein», schrieb die französische Sportzeitung L'Equipe, nachdem Roglic den schon sicher geglaubten Gesamtsieg noch aus der Hand gegeben hat.

Video
Pogacar schnappt Roglic den Tour-Sieg weg
Aus sportflash vom 19.09.2020.
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Der letzte Anstieg war einer zu viel

Fignon hat die Tour nach der schmerzhaften Niederlage von 1989 nie mehr gewinnen können. Auch Roglic dürfte lange zu kauen haben. «Im Moment kann ich nicht klar denken, ich habe keinen klaren Plan für die Zukunft. Es ist, als wäre mein Kopf leer», sagte Roglic im mit Abstand schwierigsten Moment seiner Radsport-Karriere.

Die gesamte Rundfahrt hatte der frühere Skispringer mit seinem Jumbo-Visma-Team dominiert. Was sollte da schiefgehen, wo er doch als extrem starker Zeitfahrer klar favorisiert war? Vielleicht zerbrach Roglic letztlich genau an diesem Druck. «Ich bin enttäuscht. Ich werde weinen. Ich habe schon geweint», sagte der oft als emotionslos verschriene Slowene und gab zumindest einen kleinen Einblick in sein Seelenleben.

Von der Skisprung-Sackgasse zum Gewinner des wichtigsten Radrennens der Welt – aus einer der vermeintlich bemerkenswertesten Sportgeschichten der vergangenen Jahre wurde eine der schmerzhaftesten Wendungen in einem Finale der Tour de France.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von R. J. Kreuzer  (Claudandus)
    Bitter für Roglic, sehe ich auch so. Allerdings war das ganze äußerst clever eingefädelt von Pogacar und dem Team Emirates. Die hätten schlichtweg keine Chance gehabt mit Ihrer Mannschaft die gesamte Tour derart zu kontrollieren wie das Jumbo Visma getan hat und dies auch früh realisiert. Also hängt sich Pogacar meistens bei Jumbo an und setzt ein paar Nadelstiche. Dann im richtigen Moment setzt er alles auf eine Karte und triumphiert. Mann gegen Mann war er dann halt eben stärker. Chapeau!
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    1. Antwort von Hans Anreiner  (Hans.Anreiner)
      Im richtigen Momen ja. Aber was? Blutwechsel?
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Na ja, Roglic hat auf jeden Fall eine tolle Tour de France gezeigt. Am Schluss musste er sich seinem stärkeren Landsmann beugen. Aber es war schon von Anfang an klar, dass Pogacar im Moment der bessere Zeitfahrer ist. Er hat Roglic im Zeitfahren an der Landesmeisterschaft dieses Jahr auch geschlagen. Also soweit keine Überraschung. Und Roglic gewann 2019 ja die Vuelta. Ein Champion wie er kommt sicher zurück......
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  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Tadej Pogacar trägt wenigstens auf einer Etappe - der letzten - noch das Maillot. Soweit ich mich erinnere war das bei LeMond während der ganzen '89er-Tour keinen einzigen Tag der Fall... ;-))
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    1. Antwort von René Ruf  (RenéR)
      Greg LeMond trug das Maillot jaune auch 1989. Schon in der 1.Woche übernahm er es, dann zu Laurent Fignon, wieder LeMond und nochmals Fignon. "Auch" - 1986 gewann Greg LeMond erstmals die TdF, damals in Gelb vor seinem Teamkollegen Bernard Hinault.
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    2. Antwort von René Ruf  (RenéR)
      Zu Greg LeMond & TdF 1986 gibts aus CH-Sicht einige Bezugspunkte. Urs Zimmermann wurde 1986 Gesamtdritter! Niki Rüttimann auf dem 7.Rang, mit Etappensieg. Er war Teamkollege von LeMond & Hinault. LeMond wurde 1983 Profi-Weltmeister in Altenrhein. Rüttimann damals 1983, Vizeweltmeister bei den Amateuren, dies praktisch vor seiner Haustüre. 1986 auch Erich Mächler mit Etappensieg, auf den berüchtigten Puy de Dôme. Kein absoluter Bergspezialist, aber unten mit paar Minuten Vorsprung "überlebte" er.
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