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Pogacar gewinnt die Tour de France
Aus Sport-Clip vom 18.07.2021.
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Zweifel nach Tour-Dominanz Pogacar fährt der Konkurrenz davon – nicht aber den Fragezeichen

Tadej Pogacar deklassiert an der Tour de France die gesamte Konkurrenz. Spitznamen wie «Pogacarmstrong» drücken jedoch Zweifel an einer sauberen Leistung aus.

Je nachdem sind 2 Minuten eine ganze Welt. Das musste im Vorjahr auch Primoz Roglic einsehen. Der designierte slowenische Sieger der Tour de France verlor beim Bergzeitfahren der 20. Etappe 1:56 Minuten auf seinen Landsmann Tadej Pogacar – und damit auch bei letzter Gelegenheit das «Maillot jaune».

Pogacar hingegen stellte noch 2 Tage vor seinem 21. Geburtstag die Weichen für eine neue Ära. Als erster Fahrer überhaupt fuhr er mit dem gelben und dem gepunkteten Bergtrikot sowie als bester Nachwuchsfahrer auf den Champs-Élysées ein.

Anderer Weg, gleiches Ziel

Keine 10 Monate später steht wieder Pogacar an der Spitze aller 3 Klassemente. Ein anderer Weg führte zum selben Ziel. Der Allrounder vom UAE Team Emirates verzichtete auf dramatische Aufholjagden und erstickte jegliche Spannung im Keim. So durfte sich der Slowene auf der 108. Ausgabe der «Grande Boucle» bereits auf der 8. Etappe das Gelbe Trikot überstülpen lassen. Er gab es fortan auch nicht mehr her.

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Archiv: Pogacar übernimmt Gesamtführung
Aus Sport-Clip vom 03.07.2021.
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«Seit ich in die Tour gestartet bin, ist es ein Spiel für mich. Ich geniesse es, zu spielen», strahlte Pogacar nach den beiden Pyrenäen-Etappen. Seine erdrückende Überlegenheit in den Schlussabschnitten der beiden schweren Bergankünfte hatte beängstigende Züge.

Der Youngster kontrollierte den jungen Dänen Jonas Vingegaard und den formstarken Ecuadorianer Richard Carapaz, Dritter der Gesamtwertung, nach Belieben und mit einer Ausstrahlung, die ihresgleichen sucht. Ehe seine Verfolger überhaupt ausholen konnten, setzte Pogacar die Attacken einfach selbst.

Sie nennen in «Pogacarmstrong»

Doch bei allem Strahlen – solche extraordinären Leistungen werfen im Sport und gerade bei den Rad-Profis auch immer Fragen auf. Die Doping-Frage ärgerte den sonst so gelassen wirkenden Youngster schon nach der 10. Etappe. «Ich bin alleine am Ruhetag 3 Mal getestet worden. Was soll ich noch tun, um meine Unschuld zu beweisen?», reagierte er unwirsch.

Nach den Kletterleistungen in den Alpen hatten ihn einige Kritiker als «Pogacarmstrong» bezeichnet. Oder wahlweise «Pogastrong» wie Dopinganalytiker Antoine Vayer. Dass Pogacar sich weigerte, seine Leistungsdaten zu publizieren, machte die Zweifel nicht eben kleiner. Er führte für sein Schweigen taktische Gründe ins Feld.

Delikate Personalien im Team

Die Zweifel sind hausgemacht. Sein Umfeld im UAE-Team ist teils mit Personen besetzt, die nicht den besten Ruf geniessen. So wurde unter anderem Pogacars Sportdirektor und Landsmann Andrej Hauptman 2000 wegen verdächtiger Blutwerte von der Tour ausgeschlossen. Team-Manager Mauro Gianetti ist ebenfalls alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.

Am Sonntag jedenfalls waren diese Sorgen weit weg. «Pogi», wie ihn seine Fans nennen, durfte gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf der wohlverdienten «Tour d'Honneur» in Paris einfahren. Der zweite Schritt für eine neue Ära ist getan. Und vielleicht entschliesst sich der Triumphator nach der Tour, die Wattzahlen doch offenzulegen. Es würde seinen Kritikern – zumindest vorerst – den Wind aus den Segeln nehmen.

SRF zwei, sportlive, 18.7.21, 15 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Scheidegger  (Linescio)
    …und wie steht es denn mit dem Ruf von anderen Sportarten wie Leichtathletik, Ringen, Gewichtheben, Boxen, Biathlon, Langlauf usw.? Da wird einfach wenig kommentiert…
  • Kommentar von Werner Amstutz  (Wam)
    Ich bin überzeugt, dass wenn die Internationalen Verbände ( IOC , UCI, FIFFA WADA etc.) alle am gleichen Strick ziehen würden und alle ATHLETEN TRAINER AERZTE MANAGER bei der ersten Positven Kontrolle auf Lebzeiten sperren würden gäbe es sofort Ruhe!
    Aber solche Massnahmen brauchen Grösse und Mut!!!
  • Kommentar von Martin Gebauer  (Mäde)
    Bis zu Simpsons Tod war Doping legal und alle Fahrer waren mit fürchterlichen Cocktails im Körper unterwegs. In den 90er war die Hohezeit von Epo und alle waren gedopt. Dann kam Armstrong und hob das systematische und radikale Doping auf ein neues Niveau. Und heute? Alle haben Besserung gelobt, es wird noch mehr kontrolliert, aber die "Dopinghaie" aus der Vergangenheit sitzen immer noch an den Schalthebeln des Radsports. Der Radsport wird die alten, bösen Geister nie mehr abschütteln können.