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Die Spitzenschwinger bangen um ihren Sport
Aus sportpanorama vom 14.02.2021.
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Nationalsport im Dilemma Schwingen bleibt Breitensport – Stillstand statt Tabubruch

Kein Training, kein Wettkampf. Corona bodigt den Breitensport und damit die Schwinger. Ausnahmen sind möglich, aber nur mit Tabubruch.

Alle oder keiner: So lautet das Credo der Schwinger, seit es um die Wiederaufnahme des Trainings und der Wettkämpfe für alle über 16-Jährigen geht. Alle sind gleich, werden gleichbehandelt und haben die gleichen Rechte. So sieht es die Tradition vor. Ein ungeschriebenes «Schwingergesetz» zwar, aber fest verankert in der Seele des Sports.

Keine Zweiklassengesellschaft Profis vs. Amateure

Schwingerkönig Christian Stucki sagt: «Die Zweiklassengesellschaft, die mit dem Profistatus entstehen würde, wäre natürlich schwierig. Aber in anderen Sportarten ist es ja auch so.»

Brauchtum, Tradition und Werte stehen nun auf dem Prüfstand. Der Schwingsport, als Breitensport geltend, findet in Corona-Zeiten kein Schlupfloch in der Verordnung des Bundes und ist wie der ganze Breitensport derzeit zur Untätigkeit gezwungen.

Keine Schwingfeste mehr seit August 2019, kein Training im Sägemehl mehr seit Herbst 2020: Es ist für die Athleten ein ständiger Drahtseilakt zwischen Frustration und dringend nötiger Motivation.

Der Plan: 600 Schwinger sollten wieder trainieren

Nach langer Tatenlosigkeit findet im Januar im Zentralvorstand ein Umdenken statt. Aus «alle oder keiner» wird «wenigstens die Besten». Ein Konzept, federführend entwickelt vom Technischen Leiter Stefan Strebler, das auch vom Aktivenrat befürwortet wird.

Die stufenweise Öffnung sieht zunächst die Rückkehr von 600 Schwingern (davon 300 aus U16, U17 und U18; dazu alle eidgenössischen Kranzschwinger und Schwingerkönige sowie Teilverbands- und Bergfestchranzer) in den Trainings -und Wettkampfbetrieb vor (inklusive 12 corona-konformen geschlossenen Schwingfesten). Neu hätten Schwinger dafür keinen Amateur-, sondern zum Teil einen Leistungssportstatus gehabt – so wie in anderen Sportarten üblich. Ein Tabubruch, für den es wohl noch zu früh ist.

Zentralvorstand krebst zurück

Nach einer Sitzung des Schwingverbandes mit dem Baspo und Swiss Olympic am letzten Mittwoch wurde die Zahl auf zwischen 80 und 100 Athleten gekürzt. Zu wenige. «Das Konzept ist so nicht tragbar mit lediglich den eidgenössischen Kranzschwingern und vielleicht ein paar Teilverbandschranzern, darum haben wir es abgelehnt», sagt Strebel.

Der Zentralvorstand, offenbar an seine Tradition erinnert, stimmt in seiner Sitzung dagegen und erneuert diese Woche sein Bekenntnis zum Breitensport. Egal, ob König oder Erstgekrönter: Stucki, Wicki und Co. sind nun weiterhin alle zum Abwarten gezwungen. Ein Ende der Massnahmen ist nicht in Sicht. Nach dem verlorenen Jahr 2020 sind erneut erste Wettkämpfe abgesagt und verschoben. Das Aufatmen von Verband, Festorganisatoren und Aktiven dürfte schweizweit zu hören sein, wenn der Bund endlich die Massnahmen lockert.

Stillstand oder Tabubruch?

Kann er dies nicht oder droht irgendwann eine erneute Corona-Welle, werden sie wieder auftauchen, die Fragen. Was ist besser: Stillstand oder Tabubruch? Eine momentan beantwortete Frage. Aber wer weiss, vielleicht wird man es eines Tages wieder aus dem Papierkorb holen, das diesmal noch zur Unzeit diskutierte Konzept mit Zukunftspotenzial.

SRF zwei: sportpanorama, 14.02.2021, 19:00 Uhr;

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Andreas Hug  (AndiHug)
    Mündige erwachsene Menschen werden durch die Massnahmen faktisch entmündigt.
    Bei aller Angst der Coronamassnahmen Beführworter, sollte man mehr vertrauen in die Organisatoren setzen.
    Es wäre schön, wenn man bald die meisten Massnahmen abschafft.