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Schwingerkönig im Interview Glarner: «Es macht Spass, der jetzigen Generation zuzuschauen»

Matthias Glarner wurde 2016 Schwingerkönig. Heute macht er als Athletiktrainer Schwinger fit für den Wettkampf, darunter Athleten wie Fabian Staudenmann oder Adrian Walther, die als Favoriten am ESAF gelten. Er war zu Gast im «Tagesgespräch».

Was geht in den Athleten vor, so kurz vor dem ESAF in Glarus?

Sehr viel! Ich habe mich selber sechs Mal auf ein Eidgenössisches Schwingfest vorbereitet. Die Spannung steigt von Tag zu Tag, es ist immer präsent, du weisst, es wartet etwas Grosses auf dich.

Heute sind Sie Athletiktrainer. Sind die Schwinger fitter als zu Ihrer Zeit, vor 10, 20 Jahren?  

Ich glaube, man kann es ganz simpel an zwei Zahlen aufzeigen. In meiner besten Form habe ich 135 Kilo umgesetzt. Das ist eine Übung der Gewichtheber, man hebt eine Langhantel ab den Knien bis zur Brust.  Kürzlich setzte ein Schwinger bei mir im Training 145 Kilo um, also 10 Kilo mehr, und er wird sich sogar noch steigern können. Die Schwinger sind heute kräftiger, athletischer, und sie schwingen technisch auf einem krassen Level. Es macht mir als Ehemaligem unglaublichen Spass, der jetzigen Generation im Sägemehl zuzuschauen.

Es sind vielleicht 10 bis 12 Schwinger, die sich voll auf das Training konzentrieren können.
Autor: Matthias Glarner

Was macht die jetzige Generation anders als die Schwinger früher?

Man merkt, dass sie schon von jung an professionell trainieren und das ganze Schwingen professioneller betreiben, als wir es konnten. Ein Fabian Staudenmann zum Beispiel hat die Spitzensport-RS gemacht, er war also 18 Wochen lang «Profi» und konnte das danach so weiterziehen. Zu meiner Aktivzeit haben wir gearbeitet oder studiert und daneben so viel trainiert wie möglich. Heute ist es umgekehrt: Die Athleten haben das Mindset eines Profis: Das Training kommt an erster Stelle, darum herum organisieren sie ihr Studium oder ihre Arbeit.  Dank des neuen Werbereglements von 2010 ist das heute finanziell möglich.

Wie viele Schwinger haben denn genügend Sponsoren oder Partner, um sich so ein Leben leisten zu können?

Es sind vielleicht 10 bis 12 Schwinger, die sich voll auf das Training konzentrieren können. Danach gibt es noch ca. 15, die das Arbeitspensum zurückfahren und so mehr Zeit für den Sport gewinnen. Das merkt man nachher im Sägemehl: Wir sehen einen grossartigen Schwingsport.

Es kommt immer darauf an, welche Qualität das Fleisch hat, das dich schwer macht.
Autor: Matthias Glarner

Worauf läuft das hinaus, wie sieht ein Schwinger in 10 Jahren aus?

Sie streben sicher nach maximaler Explosivität und maximaler Kraft. Als Athletiktrainer versuche ich, die Belastung im Training höher zu setzen als im Wettkampf selber. Ich sehe das auch als Unfallprophylaxe, denn es ist das Wichtigste für den Schwinger, dass er während seiner Karriere gesund bleibt.

Sie sprechen auch von «Qualitätsfleisch», das ein Schwinger haben muss. Was meinen Sie damit?

Nur schwer sein bringt nicht so viel. Es kommt immer darauf an, welche Qualität das Fleisch hat, das dich schwer macht. Es gibt Schwinger, die merken, dass sie nicht lange im Sägemehl durchhalten können, dass sie zu langsam oder zu unbeweglich werden, weil sie zu viel Fleisch haben. Es geht darum, das optimale Gewicht zu finden, mit dem sich der Athlet maximal explosiv fühlt und gleichzeitig in der Lage ist, 7 Minuten voll durchzupowern. Diesen Punkt zu finden ist das Spannende an meiner Arbeit.

Wer wird der neue Schwingerkönig?

Das ist schwierig zu sagen. Ich mag es jedem gönnen. Ich weiss, was dahintersteckt, was es alles braucht, um den Titel zu holen. Du musst zwei grossartige Tage haben, du musst deine absolute Topleistung bringen. Und darum sage ich immer: Der Bessere soll gewinnen, egal, wer es wird.

Radio SRF 1, Tagesgespräch, 29.08.2025, 13:00 Uhr

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