«Klein und herzig» lacht Salomé Kora, als sie auf das Drumherum der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 angesprochen wird. Mit Olympia kennt sich die Ostschweizerin aus. Als Sprinterin war Kora bei Sommerspielen bereits 3 Mal dabei, in Tokio schrammte sie 2021 mit der Staffel mit Platz 4 an einer Medaille vorbei.
Bob-Karriere im Expresstempo
Mit ihrem Einsatz in Cortina schreibt Kora nun Schweizer Sportgeschichte. Sie ist die erste Schweizer Athletin, die sowohl bei Sommer- wie auch bei Winterspielen teilnimmt. «Ich realisiere das noch nicht ganz», sagt Kora, «ich lebe einfach im Moment und freue mich, dass es geklappt hat. Dass ich damit Geschichte schreibe, ist noch nicht ganz angekommen.»
Kein Wunder, ging doch alles ziemlich schnell. Erst im November raste die 31-Jährige erstmals einen Bob-Kanal hinunter, damals ausgerechnet in Cortina. «Diese Fahrt wird mir immer in Erinnerung bleiben», blickt Kora mit einem Schmunzeln zurück. «Ich war sehr überrascht, wie sich das anfühlt. Ich dachte, das ist wie eine Achterbahnfahrt – und das mag ich eigentlich. Aber ich fand es ehrlich gesagt nicht so cool», lacht die St. Gallerin.
Wie das? «Die ganzen G-Kräfte, mir ging es gar nicht gut. Ich habe mir damals überlegt: ‹Kann ich das wirklich eine ganze Saison lang machen?›. Ich habe mich dann aber sehr schnell daran gewöhnt, heute kann ich über diesen Tag lachen», so Kora weiter.
Die Überwindung beim Start
Die grösste Herausforderung für Kora ist der Start. Versuche man in der Leichtathletik den Fokus auf technische Dinge zu legen und «zu fliegen», gehe es im Bob-Sport vor allem um die Aggressivität. «Diese muss man beim Start in den Boden bekommen, damit hatte ich zu Beginn Mühe. Es ist schon sehr viel besser geworden, aber zu 100 Prozent habe ich es noch nicht raus», gesteht die Frohnatur offen.
Leichtathleten haben im Bob-Sport eine lange Tradition. Immer wieder wechseln sie von der Tartan- auf die Bob-Bahn, gerade auch Frauen: Lolo Jones, Deborah Levi oder Alexandra Burghardt, um nur einige davon zu nennen. Letztere kennt Kora aus gemeinsamen Leichtathletik-Trainings bestens, es war nicht zuletzt die Deutsche, welche sie vom «Bob-Experiment» überzeugte.
Ab Freitag gilt es für Kora im Zweierbob ernst. Mit Pilotin Debora Annen wird sie sich in den Eiskanal stürzen. Das Duo fährt erst seit einem Monat zusammen, entsprechend müssen die Abläufe in den Trainings noch automatisiert werden. Anders als Burghardt, die 2022 in Peking mit Pilotin Mariama Jamanka Silber gewann, denkt Kora nicht in erster Linie an Medaillen.
«Unser Ziel ist das Diplom, dafür brauchen wir vier saubere Läufe und es muss alles zusammenpassen», blickt die St. Gallerin mit realistischen Zielen voraus. Denn sie ist sich bewusst: «Es ist Olympia, es werden alle Teams ihr ‹A Game› bringen.»