Als «Horror-Sommer» beschrieb Camille Rast im Anschluss an den Olympia-Riesenslalom die Leidenszeit, welche Federica Brignone nach ihrer schweren Verletzung hatte durchmachen müssen. Die Italienerin hatte sich im April 2025 einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch sowie einen Kreuzbandriss zugezogen.
Doch sie kämpfte sich zurück. Und wie! An ihren Heimspielen hatte die 35-Jährige erst im Super-G triumphiert, dann überstrahlte sie auch im Riesenslalom alle.
«Fede macht unglaubliche Sachen. Das nimmt auch mich sehr emotional mit», liess eine sichtlich gerührte Rast im Ziel wissen. «Ich habe sie im Sommer besucht und habe ihr Bein gesehen. Da kann ich nur sagen: Chapeau.» Sinnbildlich dafür auch die Szene im Zielraum, als sich die zeitgleichen Silbergewinnerinnen Sara Hector und Thea Louise Stjernesund vor Brignone, der «Königin von Cortina» verneigten.
Brignone selber kam nach der Siegerehrung kaum aus dem Strahlen heraus. «Ich war nur schon glücklich, hier zu sein. Ich konnte mich wirklich nur auf mein Skifahren konzentrieren, weil ich nicht wusste, wo ich stand.» Und dann folgten fast schon bescheidene Worte der Doppel-Olympiasiegerin: «Ich war nicht die Favoritin. Deshalb konnte ich mich nur auf mich konzentrieren.» Zudem sprach sie von ihrem «schönsten Sieg der Karriere».
Starke italienische Team-Leistung
Die Italienerinnen zeigten an diesem Sonntag allgemein eine unglaubliche Team-Leistung. Lara Della Mea verpasste als Vierte eine Medaille nur knapp, Sofia Goggia fehlten als 10. in diesem unfassbar engen Rennen nur 25 Hundertstel aufs Podest. Letztere adelte ihre doppelt siegreiche Teamkollegin ebenfalls. «Sie ist ein grosser Champion», sagte Goggia im SRF-Interview. «Dein Talent spielt eine grössere Rolle als ein solch schwieriger Schicksalsschlag. Keine Verletzung ändert etwas daran.»
Aus dem Nichts kam diese Leistung Brignones – im Gegensatz zu ihrer Selbstwahrnehmung – für Goggia nicht. «Ich wusste, dass sie im Super-G und Riesenslalom die Gefährlichste sein wird. Und jetzt hat sie beides gewonnen.»