Der Tag hatte gut begonnen für Nadine Fähndrich: Rang 5 im Prolog, alles aufgegleist für die erhoffte, fast schon erwartete erste Olympiamedaille. Doch dieser Traum platzte im Viertelfinal des Klassik-Sprints auf brutale Art und Weise. Plötzlich brach Fähndrich auf der Endgeraden ein, sah Konkurrentin um Konkurrentin vorbeiziehen.
Weil sie in Klassik-Sprints als endschnell gilt, war dies so kaum zu erwarten. Für Fähndrich ist die Enttäuschung besonders gross, da sie auf ihrer «Lieblingsstrecke» im Val di Fiemme einige ihrer grössten Erfolge feierte: etwa den Weltcup-Sprintsieg 2025 oder auch Anfang dieses Jahres Rang 2 im Rahmen der Tour de Ski.
«Ich kann nicht genau sagen, was passiert ist. Ich habe alles gemacht, was möglich war, war aktiv, konzentriert. Vielleicht war die Spurwahl falsch. Es wollte anscheinend einfach nicht sein», analysierte die WM-3. aus dem Vorjahr unter Tränen. Eine Theorie, die Teamkollegin Anja Weber stützte. Auch die Zürcher Oberländerin war im Viertelfinal gescheitert.
Im letzten Jahr war ich etwas schockiert, wie sehr ich mich über die Medaille identifizierte.
Natürlich, so Fähndrich, sei die Enttäuschung gross. Und doch brachte sie den Verarbeitungsprozess bereits in Gang, erinnerte sich an WM-Bronze 2025 in Lillehammer: «Im letzten Jahr war ich etwas schockiert, wie sehr ich mich über die Medaille identifizierte. Als wäre ich nur mit Medaille gut.» Sie habe sich gesagt: «Es ist ja nicht die Medaille, die es ausmacht, die ist nur ein Teil des Ganzen. Die Arbeit, die wir geleistet haben, ist so viel wert. Das darf uns stolz machen – auch wenn es mit einer Enttäuschung endete.»
Das Puzzleteil, das fehlte
Dann verdrückte die 30-Jährige doch noch einmal einige Tränen. Es folgte eine Entschuldigung an ihr Team: «Für mich ist es schwierig: Ich weiss, dass ich damit umgehen kann. Aber ich weiss, wie viele Leute darin investiert und gelitten haben. Ihnen gegenüber tut es mir leid, dass ich das Puzzleteil war, das gefehlt hat.»
Aufgeschoben muss nicht aufgehoben heissen. Fähndrich bieten sich im Val di Fiemme weitere Chancen auf Edelmetall. In der Frauen-Staffel, vor allem aber im Team-Sprint. Und selbst, wenn es auch dann nicht klappt, weiss sie: Ihre Stärke wird nicht durch Medaillen definiert.