Zwei Rennen brauchte Franjo von Allmen, um zum ersten männlichen Schweizer Skirennfahrer zu werden, der an Olympischen Spielen zwei Goldmedaillen gewinnen konnte. Nach dem Sieg in der Abfahrt vom Samstag teilte er den Erfolg in der Team-Kombination mit Tanguy Nef.
«Ist das so? Nein, das wusste ich nicht. Aber warten wir mal die Woche noch ab», kommentierte der Berner Oberländer den Fakt gewohnt cool. Er verwies dabei nicht einmal unbedingt auf sich (am Mittwoch steht bereits der Super-G an), sondern auf Nef, der auch noch den Spezial-Slalom bestreitet. «Aber kein Druck», fügte er scherzhaft an.
Von Allmens Lob an Nef
Von Allmen wusste, dass Nef grossen Anteil an der Goldmedaille hatte. Der Genfer flog im Stangenwald förmlich den Hang hinunter. «Es sah so einfach aus, wie er da runtergefahren ist. Es ist ja nicht so, dass er nur eine Sekunde vorausgefahren ist. Er musste auch noch eine halbe Sekunde von mir aufholen. Hut ab, er hat heute die unglaubliche Leistung gebracht», so von Allmen.
Am Schluss waren wir auch stärker im Kopf.
Nach der Abfahrt hatte das Duo «nur» auf Zwischenplatz 4 gelegen. Von Allmen spürte nach eigenen Aussagen die müden Beine vom Samstag. Umso mehr lautete die Devise vor dem Slalom «All or Nefing». Es wurde dank Nef «All».
Auf der «einfachen Piste» habe er fein und präzise fahren können, meinte der 29-jährige Olympia-Debütant, der sogar sich selbst etwas überraschte. «Ich habe das nicht erwartet. Wir wussten schon, dass wir ein starkes Team haben. Aber dann musst du erst einmal Skifahren. Es können viele Sachen passieren. Am Schluss waren wir auch stärker im Kopf.»
Odermatts Genugtuung
Nachdem er in der Abfahrt etwas überraschend leer ausgegangen war, durfte sich auch Odermatt über seine erste Medaille an den laufenden Winterspielen freuen. Auch wenn er und Loïc Meillard sich trotz Favoritenrolle mit Silber «begnügen» mussten. «Diese Medaille hat schon eine schöne Bedeutung», sagte Odermatt. Im Ziel hiess es für ihn Daumen drücken, während Meillard den Slalom absolvierte. «Ich habe schon gelitten, war sehr nervös. Als er dann fuhr, ging es noch einigermassen, schlimmer war es eine Minute davor.»
Meillard machte es spannend: Nur dank einem starken letzten Teil rettete er sich und Odermatt die Medaille. «Es ist schon ein bisschen mehr Druck und Stress, als wenn wir allein sind. Du willst auch für den anderen liefern», sagte er.