Nadja Kälin hat am Schlusstag der Olympischen Spiele mit Bronze für eine ebenso überraschende wie historische Medaille gesorgt. Noch nie konnte eine Schweizer Langläuferin an Winterspielen zuvor eine Einzelmedaille gewinnen.
«Es ist unglaublich, dass es so gelaufen ist. Ich bin an die Olympischen Spiele gekommen und habe auf ein Diplom gehofft. Und jetzt gehe ich mit zwei Medaillen nach Hause. Es ist unglaublich», sagte Kälin, die zusammen mit Nadine Fähndrich bereits Silber im Teamsprint gewonnen hatte.
Geduldig geblieben und Kräfte gespart
Kälin hat auf höchster Stufe erst drei Fünfziger bestritten, zwei im Weltcup, einen an der WM. Zwei davon beendete sie in den Top 10 und deutete damit bereits an, dass sie auch in der Königsdisziplin mithalten und nicht einfach nur mitmachen kann. Bei der Olympia-Premiere des Fünfzigers bei den Frauen gelang ihr nun die eindrückliche Bestätigung dieser Andeutung.
«Es heisst immer, es sei zu weit für die Frauen. Aber ich hatte keine Krämpfe und es ging gut», so die 24-jährige Schweizerin. Sie habe versucht, so locker wie möglich zu laufen und so Energie zu sparen. «Ich glaube, das war dann auch der Grund, weshalb ich am Schluss noch einmal so den Hügel hochlaufen konnte.»
Aus taktischer Sicht hat Kälin alles richtig gemacht. Obwohl sie das Tempo auf den letzten Runden nicht als sehr hoch empfunden habe, sei sie bei der Gruppe geblieben und habe so Kräfte gespart. «Und beim Zorzi-Anstieg dachte ich: ‹So, jetzt machst du es wie Kläbo›».
So richtig konnte Kälin ihren Erfolg noch nicht einordnen. «Als Kind träumst du davon. Dann wirst du älter und merkst: Boah, ich bin so weit weg. Nach dem letzten Winter habe ich einen Schritt nach vorne gemacht, war aber immer noch weit weg. Und heute laufe ich auf das Podest, das ist unglaublich.»