Rein von der Mimik her war kaum zu erkennen, dass Johannes Hösflot Kläbo soeben Geschichte geschrieben hatte. Stoisch erklärte der Mann, der über die 10 km mit der 8. Goldmedaille den Rekord an Olympischen Winterspielen egalisiert hatte, dass er doch schlicht gemacht habe, was er am liebsten tun würde.
Dass er es «einfach geniessen» wolle. Gerade hier in Europa vor vielen Familienangehörigen mache es besonderen Spass. Und zum Schluss schob er eine Floskel nach, die sich für die Konkurrenz eher wie eine Drohung anhört: «Wir werden sehen, wo wir am Schluss stehen.»
Klar, als der nominelle Hauptkonkurrent Einar Hedegart nach 8,6 km noch vor Kläbo gelegen hatte, habe ihn das im Ziel schon nervös gemacht. Doch als sein Landsmann kurze Zeit später auf dem Schlussanstieg einbrach, wusste der Überflieger: Das wird reichen. War der Adrenalinspiegel im Interview schon wieder sichtlich abgefallen, hatte sich der 29-Jährige, den Norwegens Zeitungen wahlweise «King Kläbo» oder «Rocket Man» nennen, kurz zuvor unter dem strahlend blauen Himmel Teseros feiern lassen.
Freitag, der 13. als Glückstag
Die 10 km Skating galten vor dem Olympia-Auftakt als höchste Hürde Kläbos. Keinen seiner 107 Weltcup-Siege feierte er über diese Distanz im freien Stil – alle seine 5 Triumphe über 10 km glückten in klassischer Technik. Das sei schon besonders, so der Norweger. Der in vielerlei Hinsicht spezielle Triumph gelang ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. Selbst dem Aberglauben war Kläbo voraus: «Ich mag den Tag, ich habe meiner Freundin an einem Freitag, dem 13. den Heiratsantrag gemacht.»
Sein 3. Gold bei Milano Cortina 2026 katapultiert ihn endgültig in den Olymp. 8 Mal Olympiasieger bei Winterspielen? Das hatten zuvor erst seine Landsleute Marit Björgen, Björn Dählie (beide Langlauf) und Ole Einar Björndalen (Biathlon) geschafft. Stand jetzt liegt Kläbo «nur» auf dem 4. Rang, weil er neben den goldenen Auszeichnungen lediglich je einmal Silber und Bronze geholt hat. Björgen, Björndalen und Dählie weisen in ihrem jeweiligen Palmarès alle zusätzlich je 4 Silbermedaillen auf.
Auf dem Weg zu weiteren Rekorden
Diese Zahlenklauberei dürfte schon in wenigen Tagen hinfällig sein. Am Sonntag kann er zum alleinigen Rekordhalter an Winterspielen aufsteigen, in der 4x7,5-km-Staffel sind die Norweger kaum zu schlagen. Zudem sind die Vorzeichen für den 29-Jährigen aus Oslo in Tesero auch im Teamsprint und den 50 km golden. Kläbo, ohnehin schon Rekord-Weltmeister (15 Titel) und -Weltcupsieger, kann somit vor seinem 30. Geburtstag im Val di Fiemme den Langlaufsport komplett durchgespielt haben.
Einen weiteren Bestwert kann der Unschlagbare in Norditalien noch knacken, wenn er wie bei der WM 2025 zusätzlich Gold in den restlichen 3 Wettbewerben holt. Dann würde er US-Eisschnellläufer Eric Heiden überbieten, der 1980 in Lake Placid als bislang einziger Wintersportler 5 Mal Gold bei denselben Spielen geholt hatte.