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Olympia: Eiskunstlaufen Männer Der Absturz des «Vierfach-Gottes»: Malinin zerbricht am Druck

Olympiagold schien für ihn schon reserviert – doch «Vierfach-Gott» Ilia Malinin stürzt auf der Olympia-Bühne in Mailand unerklärlich ab.

Eiskunstläufer auf Eisfläche vor Milano-Cortina 2026 Banner.
Legende: Am Boden statt in der Luft Ilia Malinin. Imago/ZUMA Press Wire

Bei der Transformation seines Sohnes Ilia Malinin von einem «Vierfach-Gott» in einen zutiefst ratlosen jungen Eiskunstläufer konnte Roman Skornyakov irgendwann nicht mehr hinsehen. Der Vater und Trainer in Personalunion verzweifelte, drehte sich weg von der Eisfläche und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Die Welt schaute dafür verwundert und irgendwann nur noch mitleidvoll zu, wie dem begnadetsten Eiskunstläufer der Gegenwart das sicher geglaubte Olympiagold entglitt.

Mit den Emotionen überfordert

Das Unheil hatte sich schon in den Sekunden vor dem Einsetzen der Musik angedeutet. «Mein Leben war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Kurz bevor ich meine Ausgangsposition einnahm, überfluteten mich all diese Erlebnisse, Erinnerungen und Gedanken mit voller Wucht, und es war einfach überwältigend», sagte Malinin nach der vierminütigen Kür.

Denn in diesem hochsensiblen Moment wusste der 21-jährige Amerikaner nicht, wie er mit der Reizüberflutung umgehen sollte, alles sei «zu schnell» gegangen: «Es war fast so, als ob ich gar nicht wusste, wo ich im Programm stand.» Und so lief er auch. Der einzige Mensch, der jemals 7 Vierfachsprünge in einer Kür gezeigt hat, bei dem es nicht um die Farbe der Medaille zu gehen schien, sondern eher darum, ob er den Weltrekord von Nathan Chen würde verbessern können, kollabierte regelrecht.

2 Stürze, den Axel sprang er nur einfach, den Rittberger zweifach, jegliche Leichtigkeit ging ihm ebenso verloren wie der Mut und die Puste. Nicht mal eine Medaille blieb Malinin, der Führende nach dem Kurzprogramm fiel bis auf Rang 8 ab.

Medien strafen Malinin ab

Zahlreiche US-Medien gingen nach diesem Freitag, dem 13., hart mit Malinin ins Gericht. So als hätte dieser nicht nur sich selbst um eine Medaille gebracht. Einige Auszüge:

  • Die USA Today sprach von der «schockierendsten und vernichtendsten Darbietung eines Favoriten in der Geschichte des olympischen Eiskunstlaufs».
  • Los Angeles Times: «Er stolperte über das Eis. Er versuchte, seinen schmerzerfüllten Gesichtsausdruck zu verbergen
  • Nach Ansicht der New York Times hat Malinin seine grosse Chance auf Einzelgold «verschwendet».
Die Leute sehen uns zu und denken, wir sind übermenschlich. Aber wir sind alle auch nur Menschen.
Autor: Ilia Malinin

Malinin hatte zu dieser immensen Fallhöhe allerdings auch selbst beigetragen. «I broke physics», sagte er einmal. Tatsächlich hatte er, der noch bei seinen Eltern in Fairfax (Virginia) wohnt, die Grenzen des möglich erscheinenden verschoben. Doch auch ihn beeinflussten die Gesetze der grössten Sportbühne. «Man sagt, es gebe einen Olympia-Fluch. Dass der Goldfavorit bei Winterspielen immer schlecht läuft. Und genau das ist passiert», analysierte Malinin in den Katakomben der Arena im Süden Mailands.

Letztlich sah sich Malinin in einem weiteren Ausspruch bestätigt, den er jüngst tätigte: «Die Leute sehen uns zu und denken, wir sind übermenschlich. Aber wir sind alle auch nur Menschen.»

srf.ch/sport, Sportlive, 13.02.2026, 19:00 Uhr ; 

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